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Jägerschnitzel ist aus...

Jägerschnitzel ist aus...
Iris Meurers (rechts) leitete zehn Jahre Schumacher-Kläs in Leppershütte. Hier mit befreundeter Kundin Jutta, der etwas fehlen wird. FOTO: Iris Kisters
Schumacher-Kläs, abgelegene kleine Oase mit gartenähnlichem Biergarten und Schnitzelbuffet in Leppershütte. Iris Meurers hat sie zehn Jahre lang geleitet, hat jetzt wie so viele Wirtschaften aufgeben. Ein Geheimtipp der zu geheim blieb. Die ehemalige Gastwirtin überlegt mit uns, warum es so schwer war, diese Biergartenwirtschaft zu halten. Von Iris Kisters

Sind Sie traurig über die Aufgabe des Lokals?

Jetzt nicht mehr. Das war viel früher schon der Fall, da habe ich viel geweint. Jetzt bin ich eigentlich erleichtert und froh, dass ich die Sorgen los bin.

Wie lange gibt es das Haus?

Das kann ich jetzt gar nicht so genau sagen, ich schätze über 100 Jahre. Ganz früher war die Wirtschaft nicht das alleinige Standbein, sondern gekoppelt mit der Landwirtschaft, geführt von meinem Uropa und meiner Uroma. In den 50er und 60er Jahren wurde im Biergarten noch im Freien getanzt, in der Mitte der Biergartenwiese war Betonboden, das war die Tanzfläche, rechts und links Platanen. Die Älteren sagen heute noch: „Wat haben wir hier früher für Freud gekriegt.“

Wie lange haben Sie das Lokal geführt?

Ich habe die Wirtschaft 2006 übernommen, aber wenn mein Mann Reiner nicht eine gute Stelle gehabt hätte, hätte ich nicht zehn Jahre durchhalten können. Am Mittwoch war die Übergabe an meinen Onkel, es wird wohl in Schumacher Hand bleiben. Die Wirtschaft war immer mal wieder geschlossen und wurde im Durchschnitt für vier Jahre wieder geöffnet. Sogar der Wirt, der in Hardt das Waldlokal „Onkel Gustav“ leitet, hatte es einmal probiert.

War der Winter ein Problem?

Ja. Und in diesem Jahr hatten wir bis zum Juli keinen Sommer. Die Nebenkosten sind stetig gestiegen, die Versicherung ist ein hoher Kostenfaktor, das Finanzamt, die GEMA Gebühren, das muss erst mal hereinkommen.

Im Winter saßen in der Woche im Durchschnitt zwei Personen an der Theke. Auch der Sonntagsfrühschoppen schlief immer mehr ein, viele sind gestorben und es kommt keiner mehr nach.

Können Sie sich an einen besonders gut besuchten Tag erinnern?

Ja. Das war der Vatertag im vorigen Jahr. Hunderte von Rädern standen auf dem Parkplatz, es hätte kein Auto mehr dort hingepasst. Das war schön. (lächelt)

Fallen Ihnen noch Gründe ein für das „Kneipensterben“?

Die Auswahl wird immer größer. Zum Beispiel gibt es immer mehr Feste und Veranstaltungen, wo die Leute hingehen können. Das macht viel kaputt. Aber meine Meinung ist, dass mit dem Rauchverbot in den Kneipen die Probleme so richtig anfingen. Viele Leute haben aber auch zu mir gesagt „Hättest du die Wirtschaft in Schelsen gehabt, wir wären alle gekommen.“ Es ist hier zwar sehr ruhig und idyllisch, aber auch sehr abgelegen.

Was machen Sie jetzt beruflich?

Ich habe nur eine Bewerbung geschrieben. Ich bin seit dem 15. Juli wieder im Einzelhandel tätig, war 15 Jahre aus dem Beruf. Ich habe Einzelhandelskauffrau gelernt, zwar in einer ganz anderen Branche, früher Lebensmittel, jetzt Möbel (lacht), aber ich arbeite mich gut ein. Ohne eine Arbeitsstelle zu haben, hätte ich nicht zugemacht.

Iris Meurers hat alles gegeben, aber wir gönnen ihr die aufkeimende Entspannung. Schade ist es trotzdem! Wir sind traurig.

(StadtSpiegel)