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In der Natur sein, ist Luxus

In der Natur sein, ist Luxus
„Wir schauen nach den Schwächsten zuerst: Marius Esser, Leiter des Stamm Giesenkirchen. FOTO: Pfadfinder Stamm Giesenkirchen
Der Giesenkirchener Stamm der St. Georg Pfadfinder sucht ehrenamtliche Leiterinnen und Leiter. Von Iris Kisters

. Gemeinsam mit Ruth Michels leitet Marius Esser den Stamm der Pfadfinder in Giesenkirchen. Der 25-jährige Schelsener, seit 1999 dabei und seit 2015 im Vorstand, ist mit Leib und Seele Pfadfinder. Warum, finden wir in einem Interview heraus.

Herr Esser, Sie suchen Leiter und Leiterinnen, die Fahrten begleiten und Gruppenstunden gestalten. Welche Eigenschaften sollten Interessierte mitbringen?

An erster Stelle steht der Spaß an der Arbeit mit Kindern. Kreativität ist gefragt und Interesse an Themen aus Natur und Umwelt wäre schön. Die Leiterfunktion verlangt auch manchmal eine Portion Durchsetzungsvermögen. Wer immer nur lieb und nett ist, merkt bald, dass man schon mal ein bisschen strenger durchgreifen muss. Denn wir haben ja auch einen Erziehungsauftrag und kennen nach gewisser Zeit unsere Pappenheimer.

Wie sieht diese Strenge aus?

Wir verteilen sogenannte „Kusselpunkte“. Wer zum Beispiel dauernd mit offenem Mund isst oder sich ständig verschläft, bekommt Kusselpunkte. Diese können aber mit Aufgaben, wie Spülen oder Putzen wieder ausgebügelt werden.

Wie alt sollte der Leiter oder die Leiterin sein?

Mindestens 18 Jahre alt. Sie müssen auch nicht vorher Pfadfinder gewesen sein.

Pfadfinder sind international und offen für alle Menschen und Religionen. Muss man einer Religion angehören? Kann ich auch als Atheist Pfadfinder sein?

Das spielt überhaupt keine Rolle. Atheisten sind auch erlaubt. Wir gehören zwar dem kirchlichen Verband an, sind aber offen für andere Denkweisen.

Sind auch Mädchen interessiert Pfadfinderinnen zu werden?

Ja. Diese Wandlung findet schon seit 30 bis 40 Jahren statt. Bei uns hält es sich die Waage. Wir haben fast gleich viele Mädchen wie Jungen.

Wohin gehen die Fahrten?

Oft geht es im Sommer zwei Wochen nach Holland. Als wir am Veerse Meer waren, konnten wir vom Zelt aus direkt ins Wasser springen. Das war toll.

Pfingsten geht es nach Wegberg. 2 000 bis 3 000 Leute werden erwartet. Bauern haben sogar ihre Felder hergegeben um die vielen Zelte unterbringen zu können. Alle Stämme des Diözesanverbandes Aachen treffen sich dann.

Dürfen die „Älteren“ abends Bier trinken?

Alles bleibt im Rahmen. Keiner soll Kopfschmerzen bekommen. Die Rover, also die 16-jährigen, dürfen in Maßen Bier trinken, aber dies geschieht auch bei uns Leitern erst ab 22 Uhr, wenn die Jüngeren schlafen.

Sie sind seit dem siebten Lebensjahr dabei. Hat es Ihre Entwicklung beeinflusst?

Ja.( aus vollster Überzeugung). Man sieht Menschen mit anderen Augen. Hilfsbereitschaft wird bei uns ganz groß geschrieben. Wir schauen nach dem Schwächsten zuerst. Auch die späteren Aufgaben als Leiter, sich um alles kümmern, organisieren, Anfragen bearbeiten, den Informationsfluss in Gang halten, macht mir mega Spaß!

Herr Esser, Sie sind von Beruf Mediengestalter, arbeiten in einer Web Agentur in Aachen, sind viel unterwegs. Sind die Fahrten mit den Pfadfinderkindern für Sie Entspannung?

Ein bisschen Arbeit gehört zwar dazu, aber in der Hauptsache ist es für mich Entspannung. Es ist mein Hobby. Vögel zu hören, Sterne zu sehen, einfach an einem lauwarmen Abend draußen in der Natur zu sein, ist für mich Luxus pur!

(StadtSpiegel)