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Aufheizen und feuern Mädels!

Aufheizen und feuern Mädels!
Die Ghostbusters Patty Tolan (Leslie Jones), Abby Yates (Melissa McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) in Sony Pictures „Ghostbusters“. FOTO: 2016 Sony Pictures Releasing GmbH
Auch im Remake des 80er Jahre Kulthits „Ghostbusters“ sind in New York die Geister los. Diesmal ist allerdings ein neues Team von Geisterjägern unterwegs. Von Yvonne Simeonidis

Mei, was musste „Ghostbusters“ im Vorfeld Kritik einstecken. Der erste Trailer wurde als der schlechteste aller Zeiten niedergemacht und an den Hauptdarstellerinnen kein gutes Haar gelassen. Ich muss zugeben, ich war zu Beginn auch skeptisch. Allerdings nicht, wie die verbitterten Nerds, weil Frauen es gewagt haben, in ihr Heiligtum einzubrechen, sondern weil Remakes bei mir immer Stirnrunzeln verursachen. „Gibt es denn keine originellen Ideen mehr?“ möchte ich jedes Mal gen Hollywood rufen.

Zugegeben, der Anfang des Films ist tatsächlich leicht holprig, die Dialoge etwas ungeschliffen – amerikanischen Slang zu übersetzen funktioniert selten gut – und auf den Furzwitz hätte jeder über 13 sicherlich auch verzichten können. Doch sobald sich das Team findet und die Story Fahrt aufnimmt, wird auch der Film immer besser.

Erin Gilbert (Kristen Wiig, „Bridesmaids“, „Saturday Night Live“) nimmt nach Jahren eher unfreiwillig wieder Kontakt mit ihrer alten Freundin und Kollegin Abby Yattes (Melissa McCarthy, „Gilmore Girls“, „Mike and Molly“) auf, die im Gegensatz zu Erin nach wie vor das Paranormale erforscht. Zusammen mit Abbys verschrobener Kollegin und Bastlerin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon, „Saturday Night Live“) und der U-Bahn-Mitarbeiterin Patty Tolan (Leslie Jones, „Saturday Night Live“) stellen sich die vier Frauen den plötzlich vermehrt in New York auftretenden Geistererscheinungen. Keine große Hilfe ist ihnen dabei ihre herrlich dumme „Empfangsdame“ Kevin – brüllend komisch gespielt von Chris Hemsworth („Thor“, „Avengers“).

Der Film strotzt nur so vor kleinen Anspielungen auf die Ghostbusters-Filme der 80er Jahre – inklusive einiger großartiger Gastauftritte. Ihn aber lediglich als Hommage auf diese zu bezeichnen, wäre zu wenig. Die Story mag nicht ganz neu sein, aber die vier Frauen machen sich die „Ghostbusters“-Anzüge und ihre Figuren mehr als zu eigen. Am Ende fragt niemand mehr nach Bill Murray oder Dan Akroyd. Die Ghostbusters sind zweifellos Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kristen Wiig und Kate McKinnon.

Die harsche Kritik, die der Film seit Erscheinen des ersten Trailers einstecken musste, haben die Drehbuchschreiber clever in die Story gewoben. Wenn die Ghostbuster-Mädels etwa gegen diejenigen ankämpfen müssen, die nicht an Geister glauben, hört man gar nicht mal leise auch die Pöbeleien durch, die die Frauen und Filmmacher durchmachen mussten. „Geht zu Hause dumme Bitches“ ist einer der vernichtenden, hochgeistigen Youtube-Kommentare, die Erin vorliest, bevor Abby sie beschwört, erst gar nicht in die Kommentare zu schauen. Und wenn Abby sinniert „es ist einfach, immer nur dazusitzen und kein Risiko einzugehen“, liegt es nicht fern, dies als Seitenhieb auf Filmstudios und Produzenten zu verstehen, die immer noch davor zurückschrecken, Filme und Serien zu entwickeln, die weibliche Hauptcharaktere haben.

Fans der alten Ghostbuster-Filme werden mit dem Film genauso viel Spaß haben, wie die neue Generation von Geisterjäger-Fans und wenn im nächsten Karneval oder an Halloween kleine Abbys und Pattys rumlaufen: umso besser!

PS: Bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben, es lohnt sich!

(StadtSpiegel)