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Auch Götter haben es schwer

Auch Götter haben es schwer
Die erste Begegnung zwischen Shadow Moon (Ricky Whittle, r.) und Leprechaun Mad Sweeney (Pablo Schreiber, l.) in „Jack’s Crocodile Bar“ fällt wenig freundlich aus. Mr. Wednesday (Ian McShane, hinten) amüsiert’s. FOTO: 2016 Starz Entertainment LLC
Serienschöpfer Bryan Fuller hat Neil Gaimans Fantasyepos „American Gods“ in eine bildgewaltige Serie verwandelt, die Grenzen sprengt und visuell wie erzählerisch neue Wege beschreitet. Von Yvonne Simeonidis

Niemand möchte gern vergessen werden, besonders dann nicht, wenn es die eigene Existenz bedroht. In „American Gods“, der neuen Fantasyserie basierend auf Neil Gaimans gleichnamigem Roman, befürchten die alten Götter ihre Macht zu verlieren, weil ihre Anhänger aussterben oder sie neue Götter der Technologie, des Geldes und Ruhms anbeten. Ein Krieg zwischen alten und neuen Göttern braut sich zusammen – und mittendrin steckt Ex-Häftling Shadow Moon (Ricky Whittle, „The 100“), der vom mysteriösen Mr. Wednesday (Ian McShane, „Deadwood“) als Bodyguard angeheuert wird.

Mit ihm macht sich Shadow auf einen Roadtrip quer durch Amerika. Auf ihrem Weg treffen sie Götter, Fabelwesen und Figuren der unterschiedlichsten Mythologien. Shadow wird von den neuen Göttern Media (Gillian Anderson, „Akte X“) und „Technical Boy“ (Bruce Langley) wahlweise umworben und bedroht, während Mr. Wednesday ihn mit dem Leprechaun Mad Sweeney (Pablo Schreiber, „Orange is the new Black“) bekannt macht oder ihn der Göttin Easter (Kristin Chenoweth, „Pushing Daisies“) vorstellt, die sich gleich mit einer ganzen Armada von Jesussen und süßen Hoppelhäschen umgibt.

Obwohl die erste Staffel von „American Gods“ (die zweite ist bereits bestätigt) lediglich acht Folgen zählt, gibt sie der Einführung von Charakteren und der Hintergrundgeschichte vermeintlich kleiner Nebenfiguren erstaunlich viel Raum – ohne aber dabei die zentralen Figuren Shadow und Wednesday aus den Augen zu verlieren.

Bryan Fuller, der mit „Pushing Daisies“ und „Hannibal“ weit unterschätzte TV-Geschichte geschrieben hat, zeigt einmal mehr, wie Fernsehen zum puren Fest für alle Sinne werden kann. Seine Handschrift ist unverkennbar, wenn etwa Shadow von „Technical Boys’“ Schergen angegriffen wird, Fruchtbarkeitsgöttin Bilquis (Yetide Badaki, „Aquarius“) sich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Opfer einverleibt oder wenn sich Verkäufer Salim (Omid Abtahi, „Argo“) auf eine visuell so überwältigend erotische wie intim zärtliche Art und Weise mit einem Djinn vereint, dass die Grenzen der Realität für ihn und den Zuschauer gesprengt werden. Auch und vor allem Shadows Weltsicht wird ein ums andere Mal auf eine harte Probe gestellt. Es dauert lange, bis er sich auf diese von Göttern geprägte Welt einlässt.

Alle Folgen der ersten Staffel von „American Gods“ sind exklusiv über Amazon Prime verfügbar.

(StadtSpiegel)