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Existenzielle Fragen

Existenzielle Fragen
von
Mönchengladbach. Stellen Sie sich vor, Sie sind jung und haben einen Job, den Sie lieben. Den Sie schon immer ausüben wollten, seitdem Sie klein waren. Sie haben erste Erfolge, die Sie noch mehr motivieren, weiterzumachen. Dann aber werden Sie durch unverschuldete Umstände gezwungen, in Ihrem Beruf, der vielmehr Berufung ist, zu pausieren. Tage, Wochen, Monate. Dann stecken Sie unheimlich Energie in das, was nötig ist, um wieder zu tun, was Sie lieben. Bis zur nächsten Zwangspause. Tage, Wochen, Monate. Spätestens nach dem vierten Rückschlag geraten Sie ins Grübeln und stellen alles in Frage. Ist es das, was ich auch noch in Zukunft machen kann? So oder so ähnlich dürfte es sich derzeit in der Gedankenwelt von Mamadou Doucouré darstellen. Der junge Franzose in Diensten Borussias erlitt vergangene Woche im Testspiel gegen Münster seinen vierten (!) Muskelbündelriss seit Juni 2016. Alles in allem hatte der 20-Jährige schon mehr als zwei Jahre verletzungsbedingt pausieren müssen, nun wird Doucouré erneut bis zum Saisonende ausfallen – und das, nachdem er erst vor wenigen Tagen sein erstes Pflichtspiel für Borussias U23 absolviert hatte. Wie motiviert man sich in solchen Momenten? Wie ernsthaft kann man Reha und Aufbautraining durchziehen, wenn man dies schon alles so oft getan hat – nur um danach erneut enttäuscht zu werden? Werde ich jemals wieder auf höchstem Niveau Fußball spielen können? Wann streikt mein Körper das nächste Mal? Ist dieser vielleicht überhaupt nicht für den Profisport gemacht? Es sind diese existenzielle Fragen, die sich Mamadou Doucouré jetzt stellen wird – und angesichts seiner unglaublichen Krankenakte stellen muss. Von Jan Finken
(StadtSpiegel)