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Lohn für jahrelange bodenständige Arbeit

Hajo Siemes, Fraktionssprecher der Grünen in der Bezirksvertretung Ost, ist Pazifist und Umweltschützer. Kämpft derzeit unermüdlich gegen Fluglärm und vieles mehr, was Mensch, Tier und Umwelt schaden. Der 69-jährige Sozialpädagoge, dessen politische Wurzel die Friedensbewegung war, beantwortete uns einige Fragen. Von Iris Kisters

Welche großen Herausforderungen sehen Sie für das Jahr 2017?

In Anbetracht der anstehenden Wahlen ist es wichtig, die Wähler zu motivieren, zur Wahl zu gehen, die demokratischen Parteien zu unterstützen und den Rechtsradikalismus einzudämmen. Dafür ist es wichtig, dass die Politiker offen, ehrlich und authentisch sich den Themen stellen und die Wähler durch ihr Handeln überzeugen.

Welche weiteren Herausforderungen stehen an?

Eine wichtige politische Herausforderung ist es, den radikalen Islamismus zu stoppen und Anschläge zu verhindern. Wir müssen dabei eine bunte und offenen Gesellschaft bleiben und dürfen andersdenkende Menschen, solange sie die Grundwerte der Menschlichkeit beachten, nicht ausgrenzen. Für uns vor Ort gilt es, die Bebauung in Außenbereichen auf Kosten von Landschaft und Natur einzudämmen, die Renaturierung, auch der Niers, voranzutreiben und den Radfahrern mehr Möglichkeiten einzuräumen, ungefährdet über Stadt und Land zu fahren. Dabei muss auch endlich die Achse Ruckes, Kleinenbroicherstraße und Dömgesstraße verkehrsberuhigt werden.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, mit der Antifluglärmkampagne erfolgreich zu sein?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Es ist immer schwer gegen einen solchen „Giganten“ wie die Flughafengesellschaft anzukämpfen. Aber bisher hat die Flughafengesellschaft nicht nachweisen können, dass die Kapazitätenerweiterung des Flughafens für das Gemeinwohl wichtig sei. Und der Protest der Bevölkerung ist sehr groß. Der Lärm nervt einfach und macht krank, ist jetzt schon untragbar, auch für einen Großteil der Bürger aus Giesenkirchen. Letztlich müssen die Politiker im Landtag entscheiden. Dafür werden wir hier eine Podiumsdiskussion, am 28. März, mit den Kandidaten der Parteien im Landtag veranstalten. Da sollen alle „Farbe bekennen“. Wenn die Politiker dann im Landtag nicht nur wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens folgen, sondern auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen, sehen wir gute Chancen, dass der Lärm nicht zunimmt sondern eher noch Regelungen getroffen werden, diesen zu reduzieren.

Sie sind in hohem Maße engagiert, zuverlässig, offen, unkompliziert und von positiver Ausstrahlung. Wie halten Sie sich seelisch und körperlich fit?

Ich bin täglich mit dem Rad unterwegs. Dadurch bin ich viel an der frischen Luft, krieg den Kopf wieder frei, kann mich dabei gut erholen und über alles nachdenken. Durch meinen Sport habe ich Ausdauer und Kondition, auch für politische Auseinandersetzungen, gewonnen. Außerdem habe ich einen eigenen Gemüsegarten. Der Garten ist die Quelle meiner Gesundheit. Hier kann ich mich beim Arbeiten erholen, Gemüse säen, pflanzen und wachsen sehen und alles für den eigenen Verzehr nutzen. Wir essen täglich Gemüse aus dem eigenen Garten.

Halten Sie Giesenkirchen für eine „grüne“ Region? Fühlen Sie sich genug unterstützt?

Giesenkirchen war früher „tiefschwarz“. Dies hat sich geändert. Wir gehören auf Mönchengladbach bezogen zu den Bezirken, die in den letzten Jahren den meisten Zuwachs an Grünen Wählern verzeichnen konnten. Und dies hier in Giesenkirchen. Das ist der Lohn einer jahrelangen bodenständigen Arbeit, vor allem für Baum-, Umwelt- und Naturschutz. Auch auf anderen Gebieten, wie Verkehrslenkung, Lärmschutz, Schulen und Kindergärten, ist es wichtig, nah am Bürger zu sein und den Dingen auf den Grund zu gehen. In den Gesprächen auf der Straße erhalte ich viel Zuspruch. Wenn sogar CDU Politiker, auch aus Giesenkirchen, ursächlich „Grüne Themen“ wie zum Beispiel Radverkehr und Fluglärm, zu ihren Schwerpunkten machen, dann ist dies gut für unseren Stadtteil. Auch konnten wir in den letzten Jahren mehr jüngere aktive Menschen für unsere Arbeit vor Ort gewinnen. Wir können natürlich immer noch mehr Unterstützung gebrauchen, damit unser schöner Stadtteil „grüner“ wird.

(StadtSpiegel)