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Fluthgraf entpflichtet

Guido Fluthgraf, bis vor kurzem Pfarrer, Seelsorger und Leiter der GdG Giesenkirchen nahm nun in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Gereon Abschied von den katholischen Pfarreien St. Gereon, St. Josef, St. Mariä Himmelfahrt und St. Paul. Er hatte um Entpflichtung gebeten. Aachens Bischof Dr. Helmut Dieser stimmte dem mit Wirkung zum 15. Januar zu. Von Franz Josef Ungerechts

Pfarrer Fluthgraf ist weg aus Giesenkirchen. Nach etwas über fünf Jahren. Heute sagen viele, er ist erst gar nicht erst angekommen. Jedenfalls nicht überall. Der 46-jährige Priester wirkte unglücklich in seiner Amtszeit. Er wollte umkrempeln, Strukturen verändern. Das gelang ihm nicht. Er scheiterte an der ihm gestellten, anspruchsvollen Aufgabe, die GdG Giesenkirchen-Mülfort in eine harmonische Zukunft zu führen. Fluthgraf schaffte es nicht, die Unterschiede und Eigenarten in den vier Dörfern unter einen Hut zu bringen. Zustimmung und Ablehnung seiner Person hielten sich die Waage. Man warf ihm Sturheit vor. Es gab Streit mit Chören, Gremien, Pfarrangehörigen und mit den Mülforter Schützen.

Als Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden von St. Gereon Giesenkirchen, St. Mariä Himmelfahrt Meerkamp, St. Josef Schelsen und St. Paul Mülfort mit den etwa 12.000 Katholiken wurde Guido Fluthgraf am 11. September 2011 als Nachfolger von Pfarrer Karl-Heinz Hendker in sein Amt eingeführt.

Was nun auf Fluthgraf folgt, ist noch nicht klar. Stefan Wieland, Pressesprecher des Bistums Aachen, teilte auf Anfrage des Stadt Spiegel mit: „Pfarrer Fluthgraf hat den Bischof gebeten, ihn von seinen Aufgaben als Pfarrer der GdG Giesenkirchen-Mülfort zu entpflichten. Diesem Wunsch ist der Bischof mit Wirkung zum 15. Januar nachgekommen. Die Folgezeit wird Pfarrer Fluthgraf als Orientierungsphase und zur Vorbereitung auf neue Aufgaben nutzen und in andere Seelsorgebereiche Einblick nehmen.“ Unter anderem, so Stefan Wieland, werde Fluthgraf Erfahrungen in der Gefängnisseelsorge der JVA Heinsberg sammeln. Nochmals der Bistumssprecher: „Während der Vakanz und bis zur Nachbesetzung der Pfarrerstelle wird Regionaldekan Pfarrer Ulrich Clancett die Aufgabe des Pfarradministrators übernehmen.“

Trotz aller Unstimmigkeiten und Streitereien in der GdG, Horst Thoren, Bezirksbundesmeister der Schützenbruderschaften, bringt doch ein wenig Verständnis für den gescheiterten Priester auf: „Unsere Kirche braucht streitbare Kämpfer. Pfarrer Fluthgraf steht für seinen Glauben. Er hat damit auch Widerspruch erzeugt, weil er eben nicht pflegeleicht ist. Ich empfand die Gespräche mit ihm, wenn wir sicher auch nicht immer einer Meinung waren, als offen und ehrlich.“

Ähnlich sieht es der Giesenkirchener Landtagsabgeordnete Hans-Willi Körfges (SPD): „Ich habe Herrn Fluthgraf als sozialengagierten Christen insbesondere im Zusammenhang mit der Hilfe für schutzsuchende Menschen und im interkulturellen Austausch erlebt. Daneben hat Pfarrer Fluthgraf mich im persönlichen Gespräch mit seiner spürbaren Leidenschaft zur Seelsorge in Zeiten des Wandels beeindruckt.“

Beim Abschiedsgottesdienst in St. Gereon war die Pfarrkirche fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Messbesucher, so auch die Giesenkirchener Schützen (in zivil), nahmen etwas nachdenklich aber auch mit Applaus Abschied von Pfarrer Guido Fluthgraf, der sich zum Ende hin mit einem „von Herzen Danke“ verabschiedete. Sein Dank ging auch in Richtung seiner Chöre und Musiker, sie munterte er auf, weiterzumachen, denn, so Fluthgraf, „Wo gesungen wird, kann Streit nicht wachsen!“

(StadtSpiegel)