| 16.22 Uhr

„Wir werden nie nach China fliegen!“

„Wir werden nie nach China fliegen!“
Detlef Pape, Steffen Andritzke, Birgit Braun, Ralf Gronau, Duanling Zhang und Weihua Du am Informationsstand. FOTO: Iris Kisters
Am 17. Juni vor dem Minto: Eine Gruppe von sieben Menschen trifft sich hier und hält eine Mahnwache. Sie protestiert friedlich an ihrem Informationsstand gegen den Organraub an Falun-Gong praktizierenden Gefangenen in der Volksrepublik China, die lediglich wegen ihrer Überzeugung inhaftiert sind. Das Ehepaar Birgit Braun und Ralf Gronau aus Giesenkirchen, beide seit vielen Jahren aktiv bei Amnesty International, setzen sich ein für diese Menschen, „möchten ihnen was zurückgeben“, so Birgit Braun. Offen und fair stellt sie aber klar, dass diese Initiative nichts mit Amnesty zu tun habe, denn Amnesty setze sich eher ein bei Einzelfällen und arbeite nur mit handfesten Beweisen. Von Iris Kisters

Aus gesundheitlichen Gründen kam das Ehepaar zu Falun-Gong, einer uralten buddhistischen Weisheitslehre, deren Anhänger nach dem Prinzip von Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht leben. In den 90er-Jahren inspirierte diese Lehre, die mit fünf leicht erlernbaren Übungen der Veredelung von Körper und Geist dienen sollte, viele Chinesen. Wegen der gesundheitsfördernden Wirkung wurde Falun Gong in China enorm populär und geschätzte 80 bis 100 Millionen Menschen, so Birgit Braun, seien praktizierend.

Aus Angst vor Machtverlusten sei die chinesische Regierung dazu übergegangen diese Menschen zu verfolgen. Am 20. Juli 1999 begannen flächendeckende Verfolgungen, willkürliche Verhaftungen, Gehirnwäsche. Folter sei seitdem an der Tagesordnung. Da Falun-Gong Anhänger sehr gesund sind, denn sie rauchen und trinken nicht, seien sie als Organspender sehr gut geeignet. Im Jahre 2006 wurde erstmals bekannt, dass diesen Menschen bei lebendigem Leib Organe entnommen worden seien um diese Organe kranken Menschen gegen Bezahlung zu transplantieren. Die Folge: Transplantationstourismus. Da in China die Organspendebereitschaft äußerst gering ist, sei zu vermuten, dass die Organe von Gewissensgefangenen wie Uiguren, Tibetern, Christen und in großer Zahl von Falun–Gong Praktizierenden stammten. Der Europäische Rat hat 2015 eine Konvention verabschiedet. Der Titel: Convention against Trafficking in Human Organs, also eine Konvention gegen den Organhandel.

Ralf Gronau arbeitet bei einer Firma, die Filialen in China betreibt. Oft oder fast täglich müsse er „mit China telefonieren“. Geschäftsreisen dort hin mute man ihm nicht zu. Die Firma stehe hinter ihm, obwohl sie aufgrund seiner Aktivitäten bereits Nachteile in Kauf genommen hat. Ralf Gronau wirkt ein wenig stolz in so einer Firma tätig zu sein. Da, wie er sagt, sein Arbeitgeber einen hohen Ethikkodex vertrete, fühle er sich dort sicher.

Gelegentlich bleiben Passanten stehen, sehen die Bilder von unfassbar menschenverachtender Brutalität, tragen sich ein in die Liste der Menschen, die sowas verabscheuen. Birgit Braun erzählt von einer alten Frau, die durch eine Unterschriftenliste aus dem Gefängnis entlassen wurde. Sie wurde brutal hinausgetreten mit den Worten: „Für dich alte Frau hat man Unterschriften gesammelt ?“

Auf die Frage, ob sie und ihr Mann schon mal in China waren, antwortet sie: „Nein. Und wir

werden dieses Land auch nie besuchen.“

(StadtSpiegel)