| 08.41 Uhr

„Loslegen und gucken, was passiert“

„Loslegen und gucken, was passiert“
Musiker aller Altersgruppen treffen sich zu Workshops im Giesenkirchener Luther-Haus. FOTO: Iris Kisters
In Giesenkirchen bringt ein Workshop Sänger und Instrumentalisten zusammen. Von Iris Kisters

. Der Saal im Giesenkirchener Luther-Haus wirkt an diesem Samstagvormittag auf kreative Art unaufgeräumt. Es ist gerade Trainingshalbzeit. Die im Halbkreis aufgestellten Stühle sind nicht besetzt, die Musiker aller Altersgruppen stärken sich, hantieren an ihren Rucksäcken, um ein Butterbrot und ein Getränk hervorzukramen. Sie unterhalten sich lebhaft, wirken dabei konzentriert und ruhig.

Der Workshop an diesem Samstag ist geeignet für Menschen die singen und für Instrumentalisten, die sich der kniffeligen Aufgabe der Orchesterarbeit stellen wollen – und das als Team!

Das Besondere: Klassik und Rock gehen Hand in Hand. Kein Wunder bei dem Leiter. Denn er wurde 2013 von der Metal Band „Rage“ gebucht um am „70 000 Tons of Metal“-Festival, das jährlich auf einem Schiff stattfindet, mit seinem Cello dabei zu sein.

Seit September 2017 findet der Workshop monatlich im Luther-Haus statt. Dies unter der Anleitung von David Koebele, der als ausgebildeter Cellist das Sinfonische Rockorchester Mönchengladbach gründete.

Die Teilnehmer, an diesem Tag 23, versuchen sich an „Sign of the Times“, „Thunder“ und „Legendary“. Keine einfache Aufgabe und „Sign of the Times“ von Harrry Styles wird sich zu guter Letzt als das schönstes Lied herausstellen, das zu interpretieren war. Die „Lieblingslieder“ dürfen von den Teilnehmern gewählt werden und es darf rockig sein, denn Klassik und Rock, das passt!

David Koebele mit einer Riesenportion Feundlichkeit und Optimismus gesegnet, lässt auch mal Sätze hören wie:“ Das klingt jetzt alles wie son Brei...“ oder „wir schwimmen...“, lacht, geht dann ans Schlagzeug um zu unterstützten. Der 32-jährige liebt seine Aufgabe, die für ihn faszinierend sei, sagt er und erklärt, dass die tieferen Instrumente meist keine eigene Melodie, eher Begleitmelodien, spielen. Die Motivation der Teilnehmer läge im „jetzt bin ich mal dran“ und das nähme er mit Dankbarkeit und Freude auf. „Auch Anfänger bekommen hier eine Stimme, die für sie zugeschnitten ist.“

Manuel Maag, freischaffender Gesangslehrer aus Hessen, unterrichtet an diesem Tag im ersten Teil des Workshops die Sängerinnen und einen Sänger in der unteren Etage. Petra, Thekla und Elsbeth sind aus Krefeld gekommen, singen eigentlich in einem Gospel-Chor. Sie sind sehr „angetan“ wie sie sagen. „In diesem kleinen Chor, wir sind heute zehn, kann man sich nicht verstecken. Das ist spannend und hat seinen Reiz.“

Der zwölfjährige Magnus ist ebenso mit Leib und Seele und seinem Cello dabei. „Früher habe ich nie in einem Orchester gespielt. Und wir spielen hier Stücke, die ich mir zu Hause auch selbst anhöre“, erzählt er und ist der Erste, der nach der Pause wieder auf seinem Stuhl Platz nimmt.

(StadtSpiegel)