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Vielleicht waren wir nur Gottes Fehler

Vielleicht waren wir nur Gottes Fehler
Logan (Hugh Jackman) hat sein Superhelden-Dasein hinter sich gelassen und sich im mexikanischen Nirgendwo mit dem zerbrechlichen Professor Xavier verkrochen. FOTO: 2017 Twentieth Century Fox
„Logan“, der zehnte Film in der X-Men-Filmreihe, ist das Ende einer Ära und ein klitzekleines bisschen auch ein Neuanfang. In jedem Fall ist es ein brutaler, düsterer und vor allem sehr emotionaler Abschied von einer Figur und ihrem Darsteller, die das X-Men-Universum über 17 Jahre geprägt haben. Von Yvonne Simeonidis

„Irgend ’ne miese Scheiße passiert jedem, der mir was bedeutet“, speit der vom Alter, unzähligen Verletzungen und noch schmerzhafteren persönlichen Verlusten gezeichnete Logan (Hugh Jackman, „Les Miserables“, „Van Helsing“) aus, als die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) ihn um Hilfe bittet. Vom kraftstrotzenden Superhelden der vergangenen X-Men-Filme, davon zwei Solo-Wolverine-Filmen, ist in „Logan“ kaum noch etwas zu erkennen.

Das inzwischen um die 140 Jahre alte ehemalige Mitglied der X-Men ist ein gebrochener Mann, der seine Vergangenheit als Held hinter sich gelassen hat. Im mexikanischen Nirgendwo kümmert er sich um den zerbrechlichen Professor Charles Xavier (Patrick Stewart, „Star Trek“, „American Dad“), der ohne Medikamente nicht mehr Herr seiner Mutantenkräfte ist. Logan selbst verdingt sich als Chauffeur, der die Schmerzen seiner nicht mehr verheilenden Wunden mit Alkohol betäubt. Als Laura seinen Weg kreuzt, sind deren Verfolger schnell auch hinter Logan und Professor X her.

„Vielleicht waren wir nur Gottes Fehler, es hat seit 25 Jahren keine neuen Mutanten gegeben“, fährt Logan Charles über den Mund, als der einen tieferen Sinn in Lauras Auftauchen erkennen will. Der wahre – perfide – Grund für das Verschwinden der Mutanten ist eng mit Lauras und somit auch Logans Schicksal verknüpft und führt einerseits zum letzten großen Verlust in Logans Leben, andererseits aber auch zum letzten Aufbäumen des alternden Helden.

Logan war schon immer ein Held wider Willen – immer getrieben vom Wunsch, diejenigen zu beschützen, die im lieb und teuer sind. Das „große Ganze“ war ihm nie besonders wichtig, seine Motivation war immer persönlich und das ist sie auch am Ende von „Logan“.

Mit diesem letzten Wolverine-Film ist der Figur des klauenbesetzten Mutanten ein würdiges und ihrer Wichtigkeit gebührendes Ende gesetzt worden. Dieses Ende ist brutal – der Film hat in den USA keine Jugendfreigabe erhalten – und ist doch am stärksten in den stillen Momenten zwischen Charles und Logan und zwischen Logan und Laura.

Jackman und Stewart haben beide betont, dass dies ihr letzter Auftritt als Wolverine und Professor X sein wird. Jackman hatte dies schon vor Erscheinen des Films verkündet, Patrick Stewart machte die Ankündigung während der britischen Talkshow „The Graham Norton Show“ vor anderthalb Wochen und schockte damit Fans weltweit. Für ihn sei klar, dass es kein besseres, passenderes Ende für Charles Xavier geben kann und da muss ich ihm zustimmen. Ich hoffe, er und Hugh Jackman stehen zu ihrem Wort. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die X-Men-Filme (und inzwischen auch Serien) ohne die beiden entwickeln werden.

(StadtSpiegel)