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Traue nicht deinen Augen

Traue nicht deinen Augen
Elliot Alderson (Rami Malek) wird Teil der Hackergruppe „fsociety“, die den Konzern „E-Corp“ stürzen will. FOTO: 2015 Universal Pictures Germany
Mit „Mr. Robot“ hat uns Serienerfinder Sam Esmail eine Serie der Sonderklasse beschert. Die zweite Staffel des Überraschungserfolgs ist ab sofort über Amazon Prime Video erhältlich. Von Yvonne Simeonidis

Elliot Alderson (Rami Malek, „The Pacific“, „24“) ist so gar nicht der typische Serienheld. Unscheinbar, etwas verschroben und zurückgezogen, lebt er in New York, verdient sich tagsüber sein Geld als Programmierer und taucht nachts in die Welt der Hacker ein. Bis ihn eines Tages ein mysteriöser Fremder (Christian Slater, „Interview mit einem Vampir“, „True Romance“), der sich als „Mr. Robot“ vorstellt, für seine Hackergruppe „fsociety“ rekrutiert. „Fsociety“ will just jenen Konzern stürzen, den Elliot tagsüber bei seiner Arbeit für ein IT-Unternehmen schützt.

Fasziniert von den Zielen und Idealen der Hackergruppe, willigt er ein, zu helfen. So entfernt sich der ohnehin in sich gekehrte Elliot immer weiter von seiner alten Freundin und Kollegin Angela (Portia Doubleday, „Carrie“, „Her“), die selbst unfreiwillig Teil des Hacks wird, an dem „fsociety“ arbeitet.

Als Zuschauer nimmt man direkt an Elliots Gefühlswelt teil, wird von seiner inneren Stimme sogar ganz persönlich angesprochen und zum Vertrauten gemacht. Problem ist nur: Elliot ist ein mehr als unzuverlässiger Erzähler, da er – nicht nur wegen der Drogen, die er konsumiert – häufig nicht genau weiß, ob das, was in seiner Umgebung passiert, tatsächlich echt ist. Und so gibt es im Laufe der Serie immer wieder, gleichermaßen für ihn wie auch den Zuschauer, Überraschungen und schockierende Entwicklungen.

Als Zuschauer muss man bei „Mr. Robot“ ständig auf der Hut bleiben und das, was Elliot als Realität präsentiert, immer hinterfragen. Gespräche mit seiner Psychologin geben uns als Zuschauer peu à peu Einblicke in seine Vergangenheit, seine Familie und seinen aktuellen Gemütszustand.

„Mr. Robot“ schlug im Sommer 2015 ein wie eine Bombe. Serienerfinder Sam Esmail, der auch jede der bisher erschienenen 22 Folgen geschrieben und bei ihnen Regie geführt hat, hat mit „Mr. Robot“ eine verstörende und gar nicht mal so unwahrscheinliche Welt entworfen, die der unseren erschreckend ähnelt und unser Verständnis von Realität immer wieder auf die Probe stellt. Bei den Masken von „fsociety“ fühlen sich sicherlich viele an „Anonymous“ erinnert und für den großen, bösen Konzern „E-Corp“ oder „Evil Corp“ finden sich in der Realität sicherlich ausreichend Gegenstücke.

Die besondere Faszination der Serie „Mr. Robot“ geht aber vom Charakter des Elliot Alderson und dessen ganz spezieller Weltsicht aus. Für die Darstellung Elliots hat Rami Malek nun auch zurecht einen Emmy gewonnen.

Die zweite Staffel von Mr. Robot ist seit vergangenem Freitag in der synchronisierten Fassung bei Amazon Prime Video verfügbar – Staffel eins selbstverständlich auch und natürlich auch in der Originalfassung.

(StadtSpiegel)