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Spannung und Sozialkritik

Spannung und Sozialkritik
Mark Tempel (Ken Duken) bittet seinen alten Kumpel Jakob (Thomas Thieme) um Hilfe und gerät damit wieder in den Bannkreis von Jakobs Rotlicht-Welt. FOTO: ZDFneo
Mit seiner Dramaserien-Premiere "Tempel" hat ZDFneo gleich einen Kracher gelandet: Tolle Schauspieler, Spannung, Sozialkritik und mitunter auch krasse Bilder prägen die 30-minütigen Folgen. Von Ulrike Mooz

Gentrifizierung - das ist wieder so ein Fremd-/ Mode-Wort. Wenn ärmere Bevölkerungsschichten aus Stadtvierteln abwandern - meistens eher unfreiwillig - und nach gründlicher Kernsanierung Leute mit mehr Geld einziehen - dann nennt man das so. Die skrupellosen Machenschaften der Immobilien-Mafia machen in der neuen Serie "Tempel" auch vor Mark Tempel, Ex-Boxer und Altenpfleger, seiner Familie und den Nachbarn nicht Halt. Eine Bande von angeheuerten Vandalen überfallen Frau und Tochter und schlagen die Wohnung kurz und klein. Jetzt ist Mark Tempel noch klammer als vorher.

In seiner Verzweiflung wendet sich Tempel an seinen früheren Kumpel Jakob, Boxclubbesitzer und Kiezgröße. Doch der organisiert dem Ex-Boxer nicht nur einen lukrativen Boxkampf, sondern versucht auch, ihn wieder ins "Milieu" zu ziehen - obwohl Mark Tempel seiner Frau versprochen hat, seine Brötchen nur noch als ganz normaler seriöser Arbeitnehmer zu verdienen. In Jakobs Rotlicht-Welt trifft er auch die schöne Prostituierte Eva wieder, zu der er ein besonderes Verhältnis hat.

Klingt profan, ist aber richtig gut gemacht und birgt jede Menge Diskussionsstoff. ZDFneo hat mit seiner ersten Serie gleich einen gut besetzten Treffer gelandet. Neben Ken Duken als Mark Tempel glänzen unter anderem Chiara Schoras als seine nach einem Unfall gelähmte Frau Sandra, Michelle Barthel als Tochter Juni, Thomas Thieme als Jakob, Antje Traue als schöne Eva und Alek sandar Jovanovic als böser Widersacher Milan.

Drama und Krimi, authentische Dialoge, Skurriles und eine Portion Humor hat Drehbuchautorin Conni Lubek geschickt in die Balance gebracht. Die zunächst sechs Folgen sind nur jeweils 30 Minuten lang und lassen die Zuschauer am Ende von Folge sechs mit einem schockierenden Cliffhanger sitzen.

Die ersten sechs Folgen gibt es in der ZDF-Mediathek. Wann es weiter geht, ist noch nicht bekannt.

(StadtSpiegel)