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Sind wir nicht alle ein bisschen Groot?

Sind wir nicht alle ein bisschen Groot?
Und so schmilzt das Herz... Baby Groot (gesprochen von Vin Diesel) ist trotz seiner geringen Körpergröße der große Star von „Guardians of the Galaxy Vol. II“. FOTO: Marvel Studios 2017
Willkommen zurück bei den „verdammten Guardians of the Galaxy“! In „Vol. 2“ des durchgeknallten Weltraumabenteuers haben Marvel und Regisseur James Gunn bei allem, was den ersten Teil so erfolgreich gemacht hat, noch mal eine Schippe draufgelegt. Von Yvonne Simeonidis

Seit „Iron Man“ in 2008 habe ich mir jeden Marvel-Film angeschaut, ja, auch „Ant-Man“ (der, nur so nebenbei, großartig ist). Als vor gut drei Jahren dann die ersten Fotos und Infos zu „Guardians of the Galaxy“ auftauchten, war ich – vorsichtig ausgedrückt – skeptisch. Ein Waschbär (Bradley Cooper), ein sprechender Baum (Vin Diesel), ein Typ, der eher in die 80er Jahre denn ins Weltall passt (Chris Pratt), eine Frau in Grün (Zoe Saldana) und ein Muskelprotz in Blau (Dave Bautista): das sollten die neuen Marvel-Helden sein? Und wie, bitte, sollte dieser Haufen ins restliche Marvel-Universum passen? Angeguckt habe ich ihn mir dann natürlich trotzdem und im wahrsten Sinne des Wortes Tränen gelacht. Die „Guardians of the Galaxy“, zum Leben erweckt von Regisseur James Gunn, haben das Marvel-Universum auf die bestmögliche Art durcheinander gewirbelt.

Beim zweiten Teil war ich nun wieder skeptisch: könnte der neue Film den Esprit, Witz und die Herzenswärme des ersten Teils aufrechterhalten? Oder hat sich das Neue, Verrückte abgenutzt? „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ hat all dies nicht nur beibehalten, sondern sogar noch gesteigert. Klar, Waschbär Rockets Tendenz, alles zu klauen, was nicht niet- und nagelfest ist, ist bekannt, man weiß um Drax’ Unfähigkeit einen Witz zu erkennen, mag Gamoras unwirsche Art und kennt jetzt den einen Satz, den einzigen Satz, den Groot jemals sagen wird. Was „Vol. 2“ so besonders macht, sind die Beziehungen der Figuren untereinander und nicht die wilden Weltallschlachten – auch wenn die sehr beeindruckend sind.

Der wilde Haufen hat sich zu einer, wenn auch gestörten, Familie zusammengerauft. Sie gehen sich zwar regelmäßig an die Gurgel und einander auf die Nerven, aber wenn es hart auf hart kommt, sind sie für einander da und riskieren ihr Leben für den anderen. Als Nebula, Gamoras Stiefschwester, angewidert feststellt, dass Freunde sich nicht ständig anschreien, antwortet Drax simpel: „Wir sind keine Freunde, wir sind eine Familie.“

Das große Highlight des Films, machen wir uns nichts vor, ist aber natürlich Baby Groot. Nachdem er sich am Ende des ersten Teils für seine Freunde, sorry, Familie, geopfert hatte, läuft er nun als putziger – aber durchaus rabiater – „Zweig“ zwischen den Füßen seiner großen Kumpels herum und erweicht die Herzen aller. Wer die Eröffnungsszene ohne den Gedanken übersteht „Wo bekomme ich einen Baby Groot her?“, muss ein Herz aus Stein haben.

Regisseur James Gunn hat bereits bestätigt, auch beim dritten Teil auf dem Regiestuhl zu sitzen. Vorher werden wir die „Guardians“ aber natürlich noch im nächsten Avengers-Film sehen. Und wie bei allen Marvel-Filmen gilt: bis zum Schluss sitzen bleiben! Diesmal gibt es ganze fünf (!!) Szenen nach Ende des Films.

(StadtSpiegel)