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Life und Love zwischen Bits und Bytes

Life und Love zwischen Bits und Bytes
Gordon Clark (Scoot McNairy), Cameron Howe (Mackenzie Davis) und Joe MacMillan (Lee Pace, v.l.) versuchen gemeinsam, IBM ein Schnippchen zu schlagen. FOTO: 2014 AMC Networks Inc.
„Halt and Catch Fire“ war und ist ein wahres Kleinod in der weiten Welt der Serien. Gerade endete die vierte und letzte Staffel. Was eigentlich als trockener Stoff gelten sollte – der Computerboom der 80er und 90er Jahre – kommt hier als packendes Drama mit komplexen Charakteren daher. Von Yvonne Simeonidis

Gerade war die Flaggschiff-Serie des Senders AMC, „Mad Men“, ausgelaufen, da präsentierte er mit „Halt and Catch Fire“ sein nächstes Period-Drama. Diesmal angesiedelt in den frühen 80er Jahren erzählt es die Geschichte einer kleinen Gruppe von Computerpionieren, die auf der Suche nach dem großen Wurf, versuchen, den Branchengiganten der Zeit – IBM und Microsoft – Paroli zu bieten. Da ist Joe MacMillan (Lee Pace, „Pushing Daisies“, „Der Hobbit“), ein anmaßender und ehrgeiziger IBM-Manager, da ist Gordon Clark (Scoot McNairy, „Argo“, „Batman V Superman“), ein desillusionierter Computer-Ingenieur, der von Joe wegen seiner Pläne, einen eigenen Computer zu konstruieren, eingespannt wird. Gordons Frau Donna (Kerry Bishé, „Narcos“, „Scrubs“) steht ihrem Mann in technischen Fertigkeiten in nichts nach. Programmierwunderkind Cameron Howe (Mackenzie Davis, „Black Mirror“, „Blade Runner 2049“) wird von Joe ebenfalls mit ins Boot geholt. Das „Boot“ ist Cardiff Electric, eine mittelgroße Tech-Firma in Texas mit ihrem Boss John „Bos“ Bosworth (Toby Huss, „Outcast“, „Colony“), die Joe mit dem verwegenen Plan, ein besseres Modell der aktuellen IBM-Maschine zu konstruieren, in die erste Reihe der Computerentwickler katapultieren will.

Na, habe ich sie schon verloren? Computer, 80er Jahre, programmieren, viel Polyester und Texas klingt wahrlich nicht nach packendem Drama – ist es aber. Während seiner vier Staffeln hat „Halt and Catch Fire“ zwei große Dinge geschafft: die Entwicklungen in der Computerbranche als einen spannenden Wettlauf à la David gegen Goliath zu erzählen und mit Gordon, Donna, Joe, Cameron und Bos Charaktere zu erschaffen, denen man trotz oder gerade wegen ihrer Makel gerne durch mehr als ein Jahrzehnt folgt, ihre Rückschläge betrauert und ihre Erfolge zelebriert. Beziehungen blühen auf, gehen zu Bruch – gleichermaßen romantisch wie freundschaftlich und geschäftlich. Besonders beachtenswert ist auch, wie – zum Wohle der Serie – Cameron und Donna immer weiter in den Mittelpunkt rücken. In einer Zeit und Branche, die auch heute noch sehr männerdominiert ist, zeigen diese zwei, wo es langgeht.

„Halt and Catch Fire“ konnte nie an den kommerziellen Erfolg von „Mad Men“ anknüpfen. Um so höher ist es dem Sender anzurechnen, dass die Macher der Serie, Christopher Cantwell und Christopher C. Rogers, die Gelegenheit bekamen, ihre Geschichte über vier Staffeln erzählen zu dürfen und vor allem nach ihrer Vorstellung zu Ende zu bringen. Mit dem überragenden Serienfinale schließt sich der Kreis für Story wie für die Figuren. „Halt and Catch Fire“ mag vordergründig Zeugnis einer vom Technikboom geprägten Ära sein, im Kern ging es aber immer um Cameron, Joe, Donna, Gordon und Bos.

Alle vier Staffeln von „Halt and Catch Fire“ sind über Amazon Prime Video verfügbar.

(StadtSpiegel)