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Girlboss: Selbst ist die Frau

Girlboss: Selbst ist die Frau
Die Lederjacke, die für Sophia (Britt Robertson) alles verändert und zur Geburtsstunde von „Nasty Gal“, ihrem Modelabel, wird. FOTO: Karen Ballard/Netflix
Sophia Amoruso hat mit ihrem Modelabel „Nasty Gal“ eine der großen Erfolgsstories der 00er-Jahre geschrieben. Die neue Netflix-Serie „Girlboss“, basierend auf Amorusos Buch „#Girlboss“, erzählt ihre Geschichte – vom Wühlen im Müll für eine Mahlzeit bis zum Launch ihres Mode-Imperiums. Von Yvonne Simeonidis

Sophia (Britt Robertson, „The Secret Circle“, „Tomorrowland“) schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Gerade hat die Mittzwanzigerin ihren Job verloren und weiß nun nicht, wie sie ihre Miete zahlen oder woher die nächste Mahlzeit kommen soll. Durch Zufall entdeckt sie in einem Second-Hand-Laden eine wertvolle Lederjacke, die sie für einen Kleckerbetrag kauft und anschließend mit viel Gewinn weiterverkauft. Lief sie bisher recht ziellos durch ihr Leben scheint sie nun ihre Leidenschaft gefunden zu haben. Die Idee zu „Nasty Gal“ ist geboren.

Auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg muss sie jedoch immer wieder Rückschläge überstehen. Die Konkurrenz versucht ihr Steine in den Weg zu legen, ihre eigene Gesundheit macht ihr an einem Punkt einen Strich durch die Rechnung und um einer negativen Bewertung zu entgehen, jagt sie – trotz panischer Angst vor Brücken – über die Golden Gate Bridge, um ein Brautkleid pünktlich abzuliefern.

Häufig steht sich Sophia jedoch selbst im Weg. So stößt sie immer wieder Freunde, Kollegen, Mitarbeiter und Familie vor den Kopf. Sie ist wahrlich nicht das, was man einen Sympathieträger nennt. Ihre unwirsche und direkte Art stößt einem auch als Zuschauer ein wenig auf und doch feuert man sie innerlich an und wünscht ihr den Erfolg. Denn auch wenn Sophia Amorusos Geschichte ungewöhnlich und wohl recht einzigartig ist, erzählt „Girlboss“ sie mit großer Menschlichkeit. Man kann Sophias Ängste verstehen, lacht mit ihr (die Serie hat eine Menge Humor), verzeiht ihr so ihre Fehler und muss ihren unbändigen Willen, ihre Ziele zu erreichen, einfach bewundern. Man gönnt ihr den Erfolg – auch wenn man skeptisch ist, ob die chaotische Sophia in der Lage sein wird, ein Mode-Unternehmen zu führen.

Die echte Sophia Amoruso hat vor zehn Jahren tatsächlich einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Inzwischen steht es um „Nasty Gal“ allerdings nicht mehr so gut. Das Unternehmen wurde aufgekauft, Amoruso zog sich aus dem Management zurück. Zum Teil passierte all dies parallel zur Produktion von „Girlboss“. Gerade vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob es eine zweite Staffel geben wird. Sophias Geschichte ist als 13 Folgen lange Miniserie aber allemal sehenswert und inspirierend.

(StadtSpiegel)