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Es ist schön, bis es dich umbringt

Es ist schön, bis es dich umbringt
David Jordan (Jake Gyllenhaal) und Miranda North (Rebecca Ferguson) versuchen verzweifelt ihre Crew vor Calvin zu retten.
Der neue Weltraum-Thriller „Life“ transportiert Science Fiction in unsere Zeit und zeigt auf beklemmende und spannende Weise, was nicht alles schief gehen kann, wenn Mensch und außerirdische Lebensform aufeinandertreffen. Von Yvonne Simeonidis

Vor den Augen der ganzen Welt untersucht ein Forscherteam auf der Internationalen Raumstation ISS erstmals einen außerirdischen Organismus vom Mars. Die zunächst euphorische Stimmung schlägt bei Ärztin Miranda North (Rebecca Ferguson, „The White Queen“, „The Girl on the Train“), Ingenieur Rory Adams (Ryan Reynolds, „Deadpool“, „R.I.P.D.“), Astronaut David Jordan (Jake Gyllenhaal, „Nightcrawler“, „Brokeback Mountain“), Mikrobiologe Hugh Derry (Ariyon Bakare, „Jonathan Strange & Mr. Norrell“, „Rogue One“) und dem Rest der Crew schnell in puren Überlebenskampf um. Denn Calvin, wie die Lebensform getauft wird, überrascht die Crew mit seiner rasanten Entwicklung, unerwarteten Intelligenz und Aggressivität. Das Versuchsobjekt hat nur eines im Sinn: Überleben um jeden Preis.

Calvin wird so zur existenziellen Bedrohung – nicht nur für die ISS-Crew, sondern auch für die Menschen auf der Erde. „Calvin hasst uns nicht“, bringt Mikrobiologe Hugh die ernüchternde wie erschreckende Wahrheit auf den Punkt, „aber er muss uns töten, um zu überleben.“

Im krassen Gegensatz zum späteren verzweifelten Überlebenskampf steht der Beginn des Films: Als Zuschauer gleitet man hier gemeinsam mit Regisseur Daniel Espinosa und seiner Kamera durch die Schwerelosigkeit. Da geht es über Kopf, kreuz und quer durch die ISS, man schaut den Wissenschaftlern über die Schulter und schwebt sogar aus der Raumstation hinaus – und das alles in einem einzigen fließenden, langen Shot. Für aktuelle Action-Filme schon fast ungewohnt, bestechen diese doch eher durch ein (über-)schnelles Schnittfeuerwerk.

Die Geschichte von „Life“ ist schnell erzählt und in ihrem Verlauf trotzdem nicht vorhersehbar. Der Film fesselt von Anfang bis Ende, wartet mit überraschenden Wendungen bis zur letzten Minute auf und wird durch sein klaustrophobisches Setting zum atemlosen Kammerspiel.

Auch die Tatsache, dass die Geschehnisse nicht in ferner Zukunft, sondern in unserer Gegenwart spielen, macht die Story so beklemmend. Die Erforschung des Mars ist schließlich in vollem Gange und man fragt sich vielleicht im Stillen: „Könnte so etwas wirklich passieren? Könnte die menschliche Neugierde, unser Forscherdrang, uns tatsächlich eines Tages zum Verhängnis werden?“ „Life“ spielt mit diesen Fragen und der Erwartungshaltung des Zuschauers bis zum Schluss. „Life“ mag kein Meisterwerk der Filmgeschichte sein, aber verdammt spannend ist er und falls Sie nach dem Kinobesuch zur Abwechslung etwas Heiteres brauchen: Schauen Sie sich ein paar der Interviews an, die Gyllenhaal und Reynolds gemeinsam auf der Presstour für „Life“ gegeben haben, ein Heidenspaß!

(StadtSpiegel)