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Er ist Strange, Doctor Strange

Er ist Strange, Doctor Strange
Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch, r.) geht bei Magiementor Mordo (Chiwetel Ejiofor, „12 Years a Slave“, „2012“) in die Lehre. FOTO: Jay Maidment/2016 Marvel
Was Marvel anfasst, wird zum Erfolg: Neben Erfolgsgaranten wie Captain America und den Avengers-Filmen landetete das Studio Überraschungserfolge mit „Antman“ und „Guardians of the Galaxy“. Auch mit der eher abseits des Mainstreams agierenden Figur des Doctor Strange bleibt Marvel in der Erfolgsspur. Von Yvonne Simeonidis

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch, „Sherlock“, „The Imitation Game“) ist, um es nett auszudrücken, nicht gerade ein Sympathieträger. Der arrogante Neurochirurg weiß, wie gut er ist und lässt dies sein Umfeld gerne wissen. Seine Welt dreht sich primär um eines: sich selbst. Sein perfektes Leben wird jedoch jäh zerstört als er nur knapp einen Autounfall überlebt, der seine Hände so stark zerstört, dass er seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Alle Heilungsversuche scheitern und Strange rutscht immer weiter ab in Depression und Verzweiflung, bis er zufällig von einem gelähmten Mann hört, der wie durch ein Wunder wieder laufen kann.

Quelle dieses „Wunders“ ist „The Ancient One“, gespielt von Tilda Swinton („Only Lovers left Alive“, „Die Chroniken von Narnia“) und so macht Strange – Pardon,

Doctor

Strange, der Gute wird nicht müde, dies zu betonen, sich mit seinem letzten Geld auf die Reise zu ihr nach Nepal.

Ein Film wie Doctor Strange, der nur so vor Magie und Mystizismus strotzt, könnte leicht in die Falle tappen, sich selbst zu ernst zu nehmen und überladen zu wirken. Marvel schafft es allerdings diesem psychedelisch angehauchten Plot – die Comics, auf denen der Film basiert, sind während der Hochzeit der Hippie-Bewegung entstanden – seine berühmte Leichtigkeit und ja, vor allem seinen Witz, zu verleihen.

Dass ausgerechnet ein Umhang für die größten Lacher sorgt, hätte ich jedoch nicht für möglich gehalten: Im Normalfall bin ich strikter Anhänger der „Keine Cape“-Regel. Da halte ich es mit Edna Mode (Superhelden-Outfit-Designerin aus Pixars „Die Unglaublichen“) und sage: „Keine Capes!“ Capes sind, wenn überhaupt, hinderlich und im schlimmsten Fall lebensgefährlich. Stranges „Umhang der Levitation“ ist die bis dato einzige Ausnahme, denn er sorgt – unglaublicherweise – für die größten Lacher des Films, hat seinen eigenen Willen und rettet seinem Träger gar das Leben.

Es ist kein Geheimnis, dass Benedict Cumberbatch Comedy kann. Die Hörspielreihe „Cabin Pressure“ der BBC ist bester Beweis dafür. Allerdings hängt ihm die Gravitas von Rollen wie Alan Turing, Sherlock Holmes oder Stephen Hawking doch nach und so dauert es ein wenig, bis man sich an den scherzenden Strange gewöhnt hat. Seine Versuche, Bibliothekar Wong (Benedict Wong, „Marco Polo“, „The Martian“) zum Lachen zu bringen sind köstlich und seine verbalen Schlagabtausche mit Bösewicht Kaecilius (Mads Mikkelsen, „Hannibal“, „Casino Royale“) sind einfach großartig.

Im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend sind die Visuals des Films. Sie erinnern an „Inception“, wenn die Magier die Landschaft New Yorks auf den Kopf stellen und lassen einen glauben, man sei auf einem irren LSD-Trip, wenn Strange von Swintons „Ancient One“ durch das Multiversum geschleudert wird. Ein Genuss, den man sich in jedem Fall auf großer Leinwand und in 3D gönnen sollte. PS: Auf jeden Fall bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben!

(StadtSpiegel)