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Eine sehr skurrile Weihnachtsfeier

Eine sehr skurrile Weihnachtsfeier
Bei Walter Davis kann man definitiv nicht mehr von einer„gediegener Weihnachtsfeier“ sprechen. FOTO: Constantin Film
Ein Rentier, das aus der Toilette trinkt, Mitarbeiter, die auf dem Kopierer Fotos von ihren besten Stücken machen und ein Investor, der an der Lichterkette über das Büro schwingen möchte – auf dieser Weihnachtsfeier ist ganz eindeutig etwas schief gelaufen. Der neue Film „Office Christmas Party“ ist an Skurrilitäten und Klischees nicht zu übertreffen. Von Gina Dollen

„Ich glaube die wollen, dass sie es tun“, sagt Investor und Partygrund Walter (Courtney B. Vance, Flash Forward) leicht verwirrt zu Josh (Jason Bateman, Juno), der verzweifelt vor der riesigen Männerskulptur aus Eis steht, aus deren Genital der Eierlikör Shot „gesaugt“ werden muss. Wenige Stunden später ist die Firmenweihnachtsfeier aus den Fugen geraten, Investor Walter bekifft und die Firma trotzdem auf dem Weg dabei, die Welt zu revolutionieren.

Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens, interessiert die knallharte, verbitterte Geschäftsführerin Carol (Jennifer Aniston, Friends) leider so überhaupt gar nicht. Ihr Geschenk an die Mitarbeiter: Gehaltskürzungen und Stellenabbau. Jetzt ist es an Bruder Clay (T.J.Miller, Deadpool) die Firma zu retten und das geht seiner Meinung nach nur mit einer geschichtswürdigen Weihnachtsparty. Dass diese völlig eskaliert und mit einem zerstörten Büro, einem Besuch im Drogen- und Prostituierten-Viertel und einem Autounfall endet – das war so mit Sicherheit nicht geplant.

Auch wenn man nach dem Trailer denken könnte, man würde sich bei dieser Komödie knapp zwei Stunden eine völlig verrückte Party ansehen, hat „Office Christmas Party“ eine, wenn auch sehr dünne, Handlung. Immerhin, denn ohne diese würden einige Leute wahrscheinlich leicht verstört den Kinosaal verlassen. Mit jeder Minute wird der Film verrückter, die Klischees mehr und die Schamgrenzen und Tabus überschritten.

Für einige schöne Momente, in denen man ganz ehrlich Lachen kann, sorgt „Firmenspießerin“ Mary (Kate McKinnon, Ted 2). Mit ihrem „multifunktionellen ökumenischen Weihnachtspulli“, der verklemmten Art, einer Liebe für Papageien und sehr speziellen Tanzkünsten wird sie schnell zum Liebling des Publikums. Auch die kleine Lovestory zwischen Josh und Tracey (Olivia Munn, The Newsroom) lässt einen an dem Film dranbleiben. Schauspielerisch überzeugt hat vor allem Jennifer Aniston in der Rolle der gemeinen Karrierefrau mit weichem Kern.

Typische seichte Witze sorgen für leichte Unterhaltung im Kino, bei der nicht viel nachgedacht werden muss. Die stereotypen Charaktere lassen mit Sicherheit den ein oder anderen Büromitarbeiter schmunzeln und ganz leicht lässt sich sogar ein wenig Gesellschaftskritik in der Firmenphilosophie entdecken.

Im letzten Drittel des Films kommt es dann leider zu der Szene, mit der die Regisseure Will Speck und Josh Gordon den Bogen überspannen. Ein Jesusimitator, der auf einem Pferd, wo auch immer das auf einmal herkommt, durchs Büro reitet, Drucker, Stühle und Computer, die aus dem Bürofenster auf die Straße fliegen und gleich sechs Mitarbeiter auf einmal, die Spaß in der Toilette haben – das kann man so langsam nicht mehr ernst nehmen. Aber vielleicht will der Film an dieser Stelle genau das.

Alles ein bisschen drüber aber trotzdem irgendwie lustig – das sollte diesen Film gut zusammenfassen. Wer hohe Erwartungen, Verstand und Logik zu Hause lässt und auf seichte Unterhaltung steht, kann mit „Office Christmas Party“ sicherlich Spaß haben, eine gelungene Komödie ist es definitiv. Wer auch in einem solchen Genre in einem gewissen Rahmen bleiben möchte und keinen Trash mag, der sollte aber zu Hause bleiben.

(StadtSpiegel)