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Ein Film für die Träumer dieser Welt

Ein Film für die Träumer dieser Welt
Bei ihrem ersten Rendezvous schauen sich Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) einen Filmklassiker an. FOTO: Studiocanal
Mit dem Musical „La La Land“ hat Regisseur Damien Chazelle eine Ode an das goldene Zeitalter Hollywoods geschaffen, ohne dabei in Nostalgie zu verharren. Großartige Bilder, ein fantastisches Hauptdarsteller-Duo und ein mitreißender Soundtrack haben „La La Land“ zum Überraschungserfolg dieser Award-Saison gemacht. Von Yvonne Simeonidis

Die Geschichte, die „La La Land“ erzählt, könnte klassischer nicht sein: Schauspielerin Mia (Emma Stone, „Crazy Stupid Love“, „Birdman“) schlägt sich als Kellnerin durch, während sie ein Vorsprechen nach dem nächsten versiebt. Mehrfach läuft sie dem erfolglosen Jazz-Pianisten Sebastian (Ryan Gosling, „The Notebook“, „The Nice Guys“) über den Weg, der von seiner eigenen Jazz-Bar träumt. Die bittersüße Liebesgeschichte der beiden Träumer und ihr Weg zu Ruhm und Erfolg erzählt „La La Land“ – mit unerwartetem Ende.

Wie das Magazin GQ so schön titelte, ist „La La Land“ ein Musical für Menschen, die Musicals hassen. Auch ich bin kein großer Musical-Freund, war aber bereits von den ersten Trailern verzaubert. Spätestens am Ende der mitreißenden Eröffnungsnummer verfällt der letzte Zweifler dem Zauber von „La La Land“. Man muss sich kurz vergewissern, dass man im Kino sitzt und den Drang, in spontanen Applaus auszubrechen, unterdrücken.

Anders als in anderen Musicals reißen einen die Tanz- und Gesangseinlagen hier nicht aus dem Fluss der Geschichte. Die Kompositionen von Justin Hurwitz, kombiniert mit den farbgewaltigen Bildern von Regisseur Damien Chazelle, die das glamouröse Hollywood der 40er und 50er Jahre heraufbeschwören, bilden das perfekte Umfeld für die zarte Liebesgeschichte von Mia und Sebastian. So fühlt es sich ganz natürlich an, wenn die Beiden auf dem Heimweg von einer Party ein Duett anstimmen und über die nächtliche Straße tanzen oder beim Rendezvous im Planetarium plötzlich zu den Sternen emporschweben und mit schwungvollen Walzerschritten durch die Wolken tanzen.

Damien Chazelle hat sich mit seiner Liebeserklärung an das goldene Zeitalter Hollywoods einen Traum erfüllt. Einen riskanten Traum wohlgemerkt, denn einen gleichermaßen kommerziell und von den Kritikern hochgelobten Film zu schaffen, der gänzlich ohne Gewalt, Action und Explosionen auskommt, hat Seltenheitswert. „La La Land“ wäre sicherlich nicht so erfolgreich, wenn es lediglich den Blick zurückwerfen würde. Chazelle hat es geschafft, den Zauber des alten Hollywoods ins Hier und Jetzt zu holen und ein modernes Hollywood-Märchen geschaffen. Wenn Mia singt „Here’s to the ones who dream, foolish as they may seem“ (Ein Toast auf die, die träumen, so töricht sie auch sein mögen), ist dies als Ode an die Träumer dieser Welt zu verstehen, die auch hervorragend auf den Regisseur passt.

Der Film verdient alle bisher eingeheimsten Preise und mehr. Wenn nächste Woche die Nominierungen für die Academy Awards verkündet werden, würde es mich sehr wundern, wenn „La La Land“ dort nicht gewürdigt wird. Die Trophäe für den besten Original Score und Song sollte gesetzt sein, für alle anderen Kategorien – inklusive der Hauptdarsteller – hat „La La Land“ mehr als gute Chancen, seinen rekordbrechenden Erfolg der Golden Globes zu wiederholen.

(StadtSpiegel)