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Die Zukunft, die keiner will

Die Zukunft, die keiner will
Stellen Sie sich vor, ihr Gegenüber bewertet jede Interaktion mit Ihnen und das Ergebnis hat direkte Konsequenzen auf Ihren gesellschaftlichen Status. So geht es Dallas Bryce Howard (3. v. r.) in der „Black Mirror“-Folge „Nosedive“. FOTO: David Dettmann/Netflix
Die Anthologie-Serie „Black Mirror“ aus der Feder von Charlie Brooker führt uns auf verstörende Weise vor Augen, wie unsere moderne Welt mit all ihren technischen Möglichkeiten ganz schnell ins Bedrohliche kippen kann. Von Yvonne Simeonidis

Wir sind umgeben von Technologie. Was früher unmöglich erschien, ist heute Alltag. Mit Smartphones haben wir einen Hochleistungscomputer und mit ihm die ganze Welt in der Hosentasche. Unser Mitteilungsbedürfnis befriedigen wir über Social Media, unseren Egoboost holen wir uns über Likes und Retweets. Für viele Alltagsdinge verlassen wir uns mehr und mehr auf die immer clever werdende und ausgefeiltere Technik. So praktisch vieles ist, der allgegenwärtige intelligente Hightech sorgt auch für ein gewisses Unwohlsein in der Magengrube.

Und genau da setzt Charlie Brookers „Black Mirror“ an. Der „schwarze Spiegel“, ein Sinnbild für die vielen uns umgebenden Bildschirme, soll uns vor Augen halten, wie schnell technische Errungenschaften ins Negative kippen können. Alle bisher erschienenen Folgen haben eine komplett unterschiedliche Besetzung, die Settings sind vollkommen verschieden wie auch die Geschichten, die erzählt werden. Das Perfide, das ihnen allen gemein ist, ist die clevere Art, wie sie uns eine Welt präsentieren, in der die Idee hinter uns vertrauter Technik diesen kleinen Tick weiter gedreht wird und sie so zur Bedrohung macht. Häufig trifft dieser „Fortschritt“ in „Black Mirror“ dann noch auf niederste menschliche Instinkte und die Katastrophe lässt nicht lange auf sich warten.

Nur sehr selten haben Brookers Zukunftsvisionen ein hoffnungsvolles Ende. Der Satiriker, der vor „Black Mirror“ vor allem durch seine bitterbösen Wochen- und Jahresrückblicke im britischen Fernsehen bekannt wurde, präsentiert uns, wie er selbst sagt, „die Welt in der wir jetzt leben und wie sie in zehn Minuten aussehen könnte, wenn wir uns ungeschickt anstellen.“

Bezeichnenderweise wurde „Black Mirror“ bei seinem ersten Emmy-Gewinn im vergangenen Jahr für die bis zum damaligen Zeitpunkt einzige positive Folge der Anthologie ausgezeichnet. Das hat Charlie Brooker jedoch nicht daran gehindert die sechs Folgen der aktuellen vierten Staffel, die seit Ende Dezember auf Netflix verfügbar ist, erneut so unheimlich und bedrohlich zu machen wie eh und je.

Denen, die sich an „Black Mirror“ heranwagen, kann ich nur empfehlen, es in „kleinen Dosen“ anzusehen, zu verstörend und deprimierend sind manche Szenarien. Alle vier Staffeln von „Black Mirror“ sind auf Netflix als Stream verfügbar.

(StadtSpiegel)