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Die Geschichte eines Whistleblowers

Die Geschichte eines Whistleblowers
Edward Snowden kurz vor seinem Treffen mit den Journalisten des Guardian. Der Zauberwürfel ist das ausgemachte Erkennungszeichen des Whistleblowers. FOTO: Universum Film
Edward Snowden – ein idealistischer Informatiker, der bei seiner Arbeit nach und nach merkt, welche Spielchen der amerikanische Geheimdienst mit der Bevölkerung spielt oder doch Verräter? Die Geschichte über den Whistleblower fesselt die Zuschauer nun schon zum zweiten Mal vor den Leinwänden und das durchaus gelungen. Von Gina Dollen

Ein älterer Mann mit Brille steuert auf Glenn Greenwald (Zachary Quinto, Heroes) und Laura Poitras (Melissa Leo, The Fighter) zu. Erwartungsvolle Blicke machen sich auf den Gesichtern der Journalisten breit, doch der Mann scheint nicht der Richtige zu sein. Dann taucht er auf, getarnt zwischen anderen Besuchern des gut gefüllten Einkaufszentrums, einen Zauberwürfel als Erkennungsmerkmal in der Hand. Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt, Don Jon) ist bereit für ein Interview, welches sein Leben drastisch ändern und Amerika schockieren wird.

Edward Joseph Snowden, der wohl von vielen in die „typischer Nerd“ Schublade gesteckt werden würde, ist anfangs ein echter Patriot mit dem Wunsch, seinem Land zu dienen. Nach einem Unfall muss er seine Militärkarriere beenden und so fängt der gelernte Informatiker bei den amerikanischen Geheimdiensten an. Nach und nach wird ihm klar, was hier passiert, wie viele Millionen Menschen abgehört und überwacht werden. Schließlich trifft „Ed“ eine folgenschwere Entscheidung: Er geht mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit.

Mit „Snowden“ wird der Fall des jungen Whistleblowers schon zum zweiten Mal auf die Leinwände gebracht. 2014, ein Jahr nach der NSA Affäre, erschien der Dokumentarfilm „Citizenfour“ von Laura Pointras und gab zum ersten mal einen intimen Einblick in das Leben und die Entdeckungen Snowdens. Regisseur Oliver Stone, bekannt für seine ebenfalls politisch orientierten Filme „Nixon“ oder „JFK – Tatort Dallas“, macht Snowden nun zu einem Hollywoodstreifen, der trotz viel Verzierung und Einblicken in das Privatleben, den Kern der Sache nicht aus den Augen verliert.

Interessant sind die Zeitsprünge, die Stone einsetzt. Zwischen Szenen, die Snowdens Werdegang, sein Leben mit Freundin Lindsey und den wechselnden Jobs zeigt, springt der Film immer wieder zurück in das Hotelzimmer in Hongkong, wo die Journalisten des „Guardian“ immer mehr unglaubliche Wahrheiten von Snowden erfahren. Dazwischen werden immer wieder Originalaufnahmen gezeigt, die dem Film Authentizität verleihen – auch wenn er nicht mit der Dokumentation zu vergleichen ist.

Getragen wird „Snowden“ definitiv von den großartigen Schauspielleistungen. Besonders Joseph Gordon-Levitt sticht mit seiner glaubwürdigen Darstellung Snowdens heraus. In einigen Schlüsselszenen schafft er es, mit einem einzigen Blick zu vermitteln, wie sich Snowden gefühlt haben muss. Zum Ende des Films lässt Oliver Stone sogar den echten Edward Snowden zu Wort kommen, was bei den Kinozuschauern entweder für Empörung oder für Gänsehaut sorgen kann.

„Snowden“ ist ein fesselnder Thriller, der den schwierigen Stoff der NSA-Affäre und den Fall Snowden in einen gut strukturierten und raffiniert gemachten Hollywoodfilm überträgt.

(StadtSpiegel)