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Burtons ganz besonderes Abenteuer

Burtons ganz besonderes Abenteuer
mmas Besonderheit ist ganz offensichtlich die Luft, doch Jake muss seine Besonderheit erst noch entdecken. FOTO: 20th Fox Century
Ein schwebendes Mädchen, ein unsichtbarer Junge und ein Kind, welches problemlos zwei große Männer durch die Gegend trägt – auf der Insel der besonderen Kinder ist niemand so ganz „normal“. Tim Burtons neuer Film entführt die Zuschauer in eine ganz besondere Welt, die einen träumen, aber auch zittern lässt. Von Gina Dollen

„Aber ich bin ganz normal“, versucht Jake (Asa Butterfield, „Der Junge im gestreiften Pyjama“) zu erklären, während Emma (Ella Purnell, „Malificent“) ihn unverständlich ansieht. „Nein, bist du nicht. Nur du kannst uns alle retten“, antwortet das blonde Mädchen, welches ohne ihre Bleischuhe sofort davon schweben würde. Was Jake noch nicht weiß: nur er kann die Monster sehen, die es auf die „besonderen Kinder“ abgesehen haben.

Mit „Die Insel der besonderen Kinder“ verfilmt Regisseur Tim Burton den weltweiten Bestseller-Roman von Ransom Riggs. Hauptfigur ist der 16-jährige Jake, der sich schon immer anders fühlte. Viele Freunde hatte er nie, doch einer, der war immer für ihn da: Sein Großvater Abe (Terence Stamp, „Smallville“). Der erzählte ihm Geschichten von einem Heim auf einer Insel, in dem Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben, die so nicht in unsere Welt passen. Als sein Großvater auf mysteriöse Weise stirbt, muss Jake herausfinden, dass es diese Welt wirklich gibt und er der einzige ist, der sie retten kann. Denn unter den besonderen Menschen gibt es auch jene, die sich zu Monstern entwickelt haben.

Tim Burton hat es mit diesem Film wieder einmal geschafft, eine sehr skurrile, ganz eigene Welt aufzubauen. Kaum etwas ist vorhersehbar, obwohl Fantasyfilme dieser Art schon oft über die Leinwände flimmerten.

Besonders optisch ist die Romanverfilmung sehr gut gelungen. Das verregnete Wales passt wundervoll zur mystischen Stimmung: etwa kurz bevor Jake das mittlerweile zerstörte Kinderheim entdeckt oder wenn Burton ein altes verrostetes Schiff vom Meeresgrund auferstehen lässt, um es dann majestätisch auf die Wasseroberfläche platschen zu lassen, kann man schon mal Gänsehaut bekommen. Ein bisschen „typisch Burton“ darf natürlich auch nicht fehlen und so sieht man sehr detailgetreu schwarze Löcher in den Gesichtern der Leichen, denen die Augen gestohlen wurden oder schaudert beim Anblick einer Weide voller toter Schafe. Nicht ganz gelungen ist der finale Kampf, in dem zum Leben erweckte Skelette doch eher zum Schmunzeln als zum Mitfiebern anregen.

Diese Szene machen die großartigen Schauspieler jedoch sehr schnell wieder wett. Sie tragen dazu bei, dass man sich über zwei Stunden voll und ganz in eine sehr eigene Welt hineinfühlen und mit unsichtbaren, besonders starken oder schwebenden Kindern mitfiebern kann. Asa Butterfield schafft es, den unverstandenen Jungen zu spielen, ohne zu sehr in die oft verhasste Opferrolle zu rutschen und Samuel L. Jackson spielt mit der gewohnten Portion Humor den perfekten Bösewicht.

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein gelungenes Fantasyabenteuer mit einer kleinen aber feinen Portion Grusel, welches Fans von Harry Potter und Co. definitiv auf ihre Liste setzen sollten.

(StadtSpiegel)