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Auch Königinnen haben’s nicht leicht

Auch Königinnen haben’s nicht leicht
Prinz Philip (Matt Smith, r.) steht fortwährend im Schatten seiner Frau Königin Elizabeth II (Claire Foy). Eine Tatsache, die für großes Konfliktpotenzial sorgt. FOTO: Netflix
Die Serie „The Crown“ erzählt von den frühen Tagen der Regentschaft Königin Elizabeths II. und ist die bis dato teuerste Eigenproduktion des Streamingdienstes Netflix. Von Yvonne Simeonidis

Sie ist inzwischen die am längsten regierende Monarchin Großbritanniens: Queen Elizabeth II. 64 Jahre sitzt sie nun schon auf dem Thron und obwohl die königliche Familie gerne wegen unterschiedlichster Skandale oder in jüngster Zeit durch die Popularität von Prinz William und seiner Frau Kate in den Medien präsent ist, weiß man doch verhältnismäßig wenig über Elizabeths Jugend oder frühen Jahren ihrer Regentschaft.

Elizabeth (Claire Foy, „Wolf Hall“, „Wreckers“) hätte eigentlich nie Königin werden sollen. Ihr Vater war „nur“ der Bruder des Königs und somit in der Thronfolge ganz weit unten angesiedelt. Doch dann verliebte sich König Edward VIII. in eine Frau, die er nach Auffassung der Church of England und des britischen Parlaments nicht lieben durfte: eine Amerikanerin, die gerade im Begriff war, sich zum zweiten Mal scheiden zu lassen. Edward entschied sich nach weniger als einem Jahr Regentschaft für die Liebe und gegen den Thron und dankte ab. So folgte sein Bruder, Elizabeths Vater, George VI. (Jared Harris, „Mad Men“, „Lincoln“), auf den Thron und die zehnjährige „Lilibet“, wie sie im engsten Familienkreis genannt wurde, war plötzlich Thronfolgerin.

„The Crown“ verwebt geschickt das Schicksal ihres Vaters mit dem von Elizabeth, indem es an markanten Stellen ihrer Biografie Rückblenden in ihre Kindheit einbaut. Ihre Ehe mit Prinz Philip (Matt Smith, „Doctor Who“, „Terminator Genisys“), der sich so gar nicht in die Rolle des schmückenden Beiwerks fügen möchte oder Premierminister Winston Churchill (John Lithgow, „Dexter“, „Hinterm Mond gleich links“), der schnell einsehen muss, dass diese neue junge Königin es ihm nicht leicht machen wird, sind die zwei großen Figuren, die ihre Regentschaft in den ersten Jahren prägen.

Doch „The Crown“ beschränkt sich nicht nur auf Elizabeths Geschichte, es erzählt auch die tragische Liebesgeschichte zwischen Prinzessin Margaret, Elizabeths einziger Schwester, und Peter Townsend, einem Vertrauten der Windsor-Familie. Geschickt werden auch historische Ereignisse wie der große Smog von 1952 in der Erzählung verwoben, bei dem nach heutigen Schätzungen mehr als 12 000 Londoner starben und der Churchill beinah sein Amt gekostet hätte.

Kritiker könnten nun sagen, „The Crown“ muss langweilig sein, da man ja „weiß, wie es ausgeht“, doch bereits von den ersten fünf Minten der ersten Folge an, ist man vollkommen gefangen. Man sieht nicht nur eine ganz andere, für viele neue, Seite der Royals, man erhält Einblick in einen Teil der Historie des 20. Jahrhunderts, die so nicht oft behandelt wird und wie sagt man so schön: die Wahrheit ist of spannender als jede Fiktion.

Fans des britischen Königshauses und „Royalisten“ im Speziellen werden „The Crown“ genauso lieben wie Fans von historischen Dramen im Allgemeinen. Netflix hat hier wirklich an nichts gespart und eine opulent ausgestattete und großartig besetzte Serie geschaffen, die Potenzial für viele weitere Staffeln hat.

Die zehn Folgen der ersten Staffel von „The Crown“ kann man aktuell synchronisiert oder im Originalton auf Netflix streamen, eine zweite Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben. Gerade erst am Montag wurde die Serie für drei Golden Globes nominiert: Beste Serie Drama, Beste Schauspielerin Drama Claire Foy und Bester Nebendarsteller John Lithgow.

(StadtSpiegel)