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„Legion“: Was für ein Trip!

„Legion“: Was für ein Trip!
David (Dan Stevens) und Syd (Rachel Keller) sind in der gleichen Psychiatrie untergebracht. FOTO: Frank Ockenfels/FX; 2016, FX Networks
Ein visueller Trip der Extraklasse ist Marvels neue Serie „Legion“, die unser Verständnis von Realität ein ums andere Mal auf den Kopf stellt. Serienmacher Noah Hawley wagt sich hier ins Comic-Metier – mit Erfolg. Von Yvonne Simeonidis

David Haller (Dan Stevens) hat den Großteil seines Lebens in psychiatrischen Anstalten verbracht. Früh wurde bei ihm eine Schizophrenie diagnostiziert. Mit Medikamenten ruhig gestellt, dämmert er auf der geschlossenen Abteilung vor sich hin. Abwechslung erfährt er nur durch Mitpatientin Lenny (Aubrey Plaza). Als eines Tages die neue Patientin Syd (Rachel Keller) auftaucht, reißt diese ihn aus seiner Lethargie. Er fühlt sich sofort zu ihr hingezogen, sie ist ebenfalls von ihm fasziniert.

Durch Syds Einwirken reift in David die Erkenntnis, dass die Stimmen in seinem Kopf und seine „Visionen“ real sein könnten. Gemeinsam entfliehen sie der Anstalt und Syd bringt ihn zu Dr. Melanie Bird (Jean Smart). Bird und ihr Team präsentieren David eine außergewöhnliche Welt voller Möglichkeiten, in denen er seine „Kräfte“ entfalten kann. Doch dunkle Mächte sind David und seinen Freunden auf der Spur, die die Fähigkeiten des Mutanten für sich nutzen möchten.

In den acht Folgen der ersten Staffel von „Legion“ fühlt man sich als Zuschauer immer wieder vor neue (vermeintliche) Tatsachen gestellt. Die Einrichtung der psychiatrischen Anstalt, die Kleidung der Protagonisten und die intensiven Farben erinnern eher an die psychedelischen 70er Jahre, denn an die Gegenwart. Die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen in „Legion“ so extrem, dass man nicht mehr weiß, was nun wahr ist, sich in Davids Kopf abspielt oder durch die Kräfte der Mutanten heraufbeschworen wurde. Jedes Mal, wenn man denkt „das muss jetzt echt sein“, passiert etwas so Verrücktes, dass man seine Vermutung sofort wieder in Frage stellen muss.

„Legion“ ist eine Serie, die man an mehr oder minder „bingen“, also einem Stück sehen, sollte. Zu verwirrend sind zum Teil die Geschehnisse, um sich im Wochenrhythmus Folge für Folge anzuschauen. Die Menge der Folgen macht das auch recht unproblematisch möglich.

„Legion“ fasziniert mit seiner psychedelischen und realitätsverschiebenden Optik und fesselt mit einer Story, die so abgedreht wie spannend ist. Liest man sich ein wenig in die Hintergründe des Comics ein, kann man umso gespannter sein, was in der nächsten Staffel passiert, denn die ist bereits bestätigt.

„Legion“ ist zu sehen über Sky Go oder käuflich zu erwerben über iTunes und Amazon Video.

(StadtSpiegel)