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Weg mit dem Sie, Du für alle?

Weg mit dem Sie, Du für alle?
FOTO: RAB
Mönchengladbach. Seinen Friseur einfach duzen? Die Kollegen? Oder sogar den Chef? Wer bietet eigentlich wem das "Du" an? Der Ranghöhere? Die Frau dem Mann? Oder immer der Ältere? Der Stadt Spiegel hat sich umgehört: Wie halten es die Gladbacher mit der "korrekten" Anrede? Von Petra Käding

Sicher, Gladbach ist nicht Berlin – aber Trends kommen auch hier an. Das mit dem Duzen zum Beispiel. In kreativen Berufen und jungen Unternehmen duzt man sich auch in Mönchengladbach immer häufiger.

Du oder Sie? Für Thorsten Döhm, Filialleiter bei SuperCut im Gladbacher Minto, stellt sich die Frage nicht. "Wir duzen alle", erklärt er. "Das gehört zur Firmenphilosophie." Im Team duzt jeder jeden und auch die Kunden werden geduzt. Ohne Ausnahme? Döhm räumt ein: "Doch, wenn ältere Kunden kommen. Das hat dann mit Respekt zu tun."

Mit Respekt rangehen, aber locker bleiben – so geht es Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik bei der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach, an. Ob jung oder alt, Titel oder nicht – er siezt erst einmal, stellt sich aber gleich mit Vornamen vor und bietet seinem Gegenüber "ratz, fatz" das Du an. "Sie glauben gar nicht, wie entspannend das ist!", sagt Poullie, der oft fürs Fernsehen unterwegs ist. "Beim TV duzt jeder jeden", weiß er und bezweifelt, dass Siezen noch zeitgemäß ist.

Locker macht man sich auch bei der Stadt. "Das kollegiale 'Du' ist bei der Stadtverwaltung – auch über Ämter-, Hierarchie- und Altersgrenzen hinweg – weder ungewöhnlich noch verpönt", sagt Dirk Rütten von der Pressestelle. Eine Ansage "Jeder-duzt-jeden" gebe es aber nicht. Und das sei auch völlig in Ordnung, denn Menschen seien verschieden und hätten unterschiedliche Ansichten. Für ein gutes Betriebsklima sei es wichtig, "dass die Kollegen respektvoll und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Ob sie sich dabei duzen oder siezen, ist zweitrangig." Und bei der Frage, wer wem das "Du" anbieten darf, könne der gute alte Knigge weiterhelfen...

Und so lauten die offiziellen Du-Sie-Tipps: Im Job hat das "Sie" immer noch Vorrang. Wenn, dann muss der Ranghöhere das "Du" anbieten. Ansonsten gilt: Der Ältere bietet dem Jüngeren das "Du" an. Es sei denn, Frau und Mann gleichen Ranges treffen aufeinander – dann ist es an der Frau, dem Mann das "Du" anzubieten, auch dann, wenn sie jünger als er ist. Das gilt auch fürs Privatleben, da ist das Duz-Angebot eine Frauensache.


Bei aller Duz-Bereitschaft: In Institutionen wie Schulen für Erwachsenenbildung spricht weiterhin vieles fürs Siezen. So bevorzugt Theo Berger von der Akademie für Gesundheitsberufe ganz klar das "Sie" in der Lehrerrolle. Denn daran sei auch mal verknüpft, Sanktionen aussprechen zu müssen. "Wird jemand geduzt, fällt es schwerer, schlechte Noten zu geben."


Corinna Peschke, Programmleiterin Schulabschlüsse bei der VHS siezt ihre 18- bis 25-jährigen Schüler ebenfalls: "Ich begegne ihnen auf Augenhöhe", erklärt sie. "Siezen bedeutet für mich, ihnen Respekt zu zollen. Und Nähe kann ich auch mit 'Sie'" herstellen."


Nähe herstellen, einander dabei aber ernst nehmen und Respekt zeigen, das ist auch Jochen Klenners Herangehensweise. Während sich in der SPD alle duzen, hört CDU-Sprecher und Landtagsmitglied Klenner auf sein Bauchgefühl und wartet, bis ihm der Ältere das "Du" anbietet. Ministerpräsident Armin Laschet duzt er. "Aber in manchen Situationen", sagt Klenner, "muss man das mit dem Duzen auch mal zurückhaltender angehen."

(StadtSpiegel)