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...und keiner hält sich dran

...und keiner hält sich dran
Klare Ansage am Vogtsgarten: Keine Autos, keine Motorräder, Tempo 30; im Sekundentakt wird dagegen verstoßen. FOTO: Klaus Schröder
Rheindahlen. Hans Ulrich Reuter ist kein Pingel, aber was sich gerade am Vogtsgarten abspielt, erzürnt ihn: "Die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge ist verboten und für die Anlieger gilt Tempo 30 – aber niemand hält sich dran." Die Polizei hat nach seinen Worten resigniert. Von Klaus Schröder

Seit August ist die Hardter Straße zwischen Bahnübergang Broicher Straße und Vogtsgarten gesperrt – wegen Baumaßnahmen. Deshalb dürfen Busse durch die Straße "Vogtsgarten" fahren. "Aber jetzt fahren Hunderte von Autos von morgens bis abends durch die Anliegerstraße, und häufig viel zu schnell", sagt der Bürger, der hier seit fünfzig Jahren wohnt. Auch die Rechts-vor-Links-Regelung werde missachtet. "Anlieger kennen die oft rücksichtslose Fahrweise und verzichten auf ihr Vorfahrtsrecht." Er schiebt hinterher: "Alle wissen, dass sie nichts zu befürchten haben, weil weder Polizei noch Ordnungsamt hier kontrollieren."

Bei der lokalen Polizeidienststelle war Hans Ulrich Reuter schon. Hier hörte er: Die Leute tun leider, was sie wollen. Der einzige Ratschlag: Unterschriften im Viertel sammeln und an das Ordnungsamt schicken. Den Anwohner treibt vor allem die Angst um, dass nach drei Monaten – wenn die die Bauarbeiten vorbei sind – die Autofahrer "gelernt" haben, wie man den Bahnübergang gut umgehen kann und dann ständig durchs Wohngebiet heizen.

Hans Ulrich Reuter heißt eigentlich anders, will seinen richtigen Namen aber nicht nennen. Einmal, weil er früher schon Ärger wegen einer kritischen Äußerung hatte und ihm jemand anschließend Steine gegen die Fenster warf und zweitens fühlt er sich auch jetzt bedrängt. "Als ich einem rasenden Autofahrer mit einer Handbewegung bedeutete, er solle langsamer fahren, stieg er aus und baute sich vor mir auf: 'Willst du was auf die Fresse? Das ist mein Auto, damit kann ich so schnell fahren, wie ich will.'" Jetzt denkt Hans Ulrich Reuter darüber nach, Unterschriften zu sammeln und sich für die Idee von Bodenwellen zu engagieren.

(StadtSpiegel)