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Schlagloch wird Kunstwerk

Schlagloch wird Kunstwerk
Vor dem Einfüllen des Epoxidharz kehrt Künstlerin Maren Dörwaldt Deutschlands schönstes Schlagloch aus. FOTO: Robert Jordan
Mönchengladbach. Manchmal sind Behörden lockerer als man denkt. Deutschlands berühmtestes Schlagloch ist jetzt offiziell zum Kunstwerk umfunktioniert und "besiegelt" worden. Von Robert Jordan

Freitags gegen zehn Uhr in der Sittardstraße. Aha, ein freier Parkplatz. Ach nein, da steht ein Halteverbotsschild. Und immer mehr Personen versammeln sich. Leute vom Fernsehen, Radio und der Zeitung schlagen auf. Und Mitarbeiter der mags. Dazu Ulrich Felsen und Dieter Breymann vom "Komitee zur Rettung und Erhaltung schöner Schlaglöcher".

In der Mitte des freien Parkplatzes: ein Schlagloch, etwa 40 Zentimeter lang und 25 Zentimeter breit und mit ganz besonderem Innenleben: ein plastischer Teich inklusive Wasserpflanzen und Goldfisch.

Dieses Schlagloch erlangte bereits als "Deutschlands schönstes Schlagloch" bundesweite mediale Berühmtheit. Heute soll es endgültig fertiggestellt werden.

Jetzt kommt sie, die Ideengeberin und Künstlerin Maren Dörwaldt, 33, aus Mönchengladbach. Sie kniet sich neben "ihr" Schlagloch, um mit einem Pinsel die Oberfläche zu säubern. Dann verfüllt sie das Loch bis zum Rand mit flüssigem Epoxidharz. Damit das Kunstwerk "auf ewig" erhalten bleibt. Maren Dörwaldt erzählt, dass ihr die Idee bei einem Schlagloch auf einer anderen Straße gekommen sei, das sie an ein Aquarium erinnert habe. Diese Idee hat sie dann nach Entdeckung des Loches auf der Sittarder Straße in die Tat umgesetzt, heimlich und ohne Genehmigung. Ein Foto ihres Werkes in den Sozialen Medien entfachte dann einen wahren Hype. Aus der kleinen Kunstidee wurde eine große Story. Sie habe erst eine Anzeige befürchtet, berichtet Maren Dörwaldt, stattdessen kam nun dieser Ruhm. Ihr Credo: "Lächeln statt Ärgern", auch mal bei einem Schlagloch.

Die mags nimmt das Projekt jedenfalls mit Humor. Immerhin hatte deren Presseabteilung zu dem ungewöhnlichen Termin eingeladen. Betriebsleiter Olaf Neef betont jedoch, dass es bei dem Einzelfall bleiben solle und hier kein Präzedenzfall geschaffen wurde.

Das neu gegründete "Komitee zur Rettung und Erhaltung von Schlaglöchern" kann sich weitere Aktionen vorstellen.

Und Maren Dörwaldt hat vielleicht ganz nebenbei eine neue Kunstsparte kreiert, liegen ihr doch bereits Anfragen aus Krefeld und Düsseldorf vor, dort in gleicher Weise tätig zu werden.

Einen Tag später, am Samstag geschieht dann noch etwas Ungewöhnliches. Die Nachbarn des Kunst-Schlaglochs öffnen für vier Stunden ihre Garage mit einem kurzfristig und einmalig installierten Pop-up-Eisdealer-Store und verkaufen veganes Speiseeis an das touristische Schlagloch-Publikum.

(StadtSpiegel)