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Post von der Friedhofsverwaltung

Post von der Friedhofsverwaltung
Nach dem Brief der Friedhofsverwaltung im Sommer brachte Daniel Kwassow das Grab seiner Oma (Name von der Redaktion unkenntlich gemacht) in Ordnung (linkes Foto). Anfang November folgte dann ein zweiter Brief. Die Grabstätte ist, wie angekündigt und in der Satzung vorgeschrieben, nicht gärtnerisch angelegt. FOTO: Daniel Kwassow
Mönchengladbach. Sofiya Kwassowa fiel aus allen Wolken, als sie im Sommer Post von der mags-Friedhofsverwaltung bekam. Die Grabstätte ihrer Mutter auf dem Hauptfriedhof sei ungepflegt. Wenn sie das Problem nicht innerhalb einer bestimmten Frist behebe, werde die Grabstätte abgeräumt. Die Kosten hierfür habe sie zu tragen. Von Ulrike Mooz

Ein Unding, wie Daniel Kwassow findet. Seine Mutter sei 77 Jahre alt und gehbehindert. „Sie war völlig aufgelöst und hat gedacht, Vandalen hätten das Grab ihrer Mutter zerstört“, erinnert sich der Sohn. Nach dem Brief sei er sofort zum Friedhof gefahren: Neben einem Hinweisschild der mags, habe er dort zwei kleine Buchsbäume, die dem Zünsler zum Opfer gefallen waren, und zwei Unkrautpflanzen vorgefunden.

„Erst Anfang Juni habe ich das Grab gemacht“, erinnert sich Daniel Kwassowa, und die mags könne von den Angehörigen ja wohl kaum erwarten, die Grabstätten wöchentlich zu kontrollieren. Seiner Mutter direkt mit einem „Drohbrief“ zu kommen, findet er völlig unverhältnismäßig, das Abräumen der Grabstätte ist für ihn „Sachbeschädigung, Diebstahl und Störung der Totenruhe“. „Man hätte meine Mutter auch freundlich auffordern können, doch einmal nach der Grabstätte zu schauen“, sagt er.

Besonders ärgert ihn, dass in unmittelbarer Nähe etliche Gräber in einem desolaten Zustand seien. Die Grabkreuze verfault, das Unkraut meterhoch. „Aber hier steht kein Schild der mags, dass die Grabstätte nicht gepflegt wird“, wundert sich Daniel Kwassow und vermutet eine gewisse Willkür.

Da er nun einmal vor Ort gewesen sei, habe er die Buchsbäume und das Unkraut entfernt. Bei der Hitze eine Neuanpflanzung vorzunehmen, sei für ihn aber nicht in Frage gekommen, im Herbst würde man weiter sehen. „Das habe ich der Friedhofsverwaltung auch schriftlich mitgeteilt“, so Kwassow.

Das Fass zum Überlaufen brachte für Mutter und Sohn dann ein Brief der Friedhofsverwaltung, datiert von Anfang November. Erneut habe man festgestellt, dass die genannte Grabstätte nicht gepflegt werde. Bis 19. Dezember könne Sofiya Kwassowa nun das Problem beheben, ansonsten werde die Grabstätte abgeräumt, Rasen eingesät und bis Ablauf im Jahr 2028 von der mags gepflegt. „Die Kosten von jährlich 125,61 Euro müssen Sie tragen - fällig als Gesamtsumme“, heißt es in dem Schreiben.

Von Willkür könne keine Rede sein, heißt es bei der mags, auch schicke man keine Kontrolleure über die Friedhöfe. „Tatsache ist, dass es im Sommer eine Beschwerde zu dem gesamten Gräberfeld gegeben hat. Dann gehen unsere Mitarbeiter der Sache natürlich nach und dokumentieren alles“, informiert Pressesprecherin Yvonne Tillmanns. Aktuell arbeite mags 250 Beschwerden dieser Art ab. Die Nutzungsberechtigten würden angeschrieben oder Erbenermittlungsverfahren eingeleitet. Die betreffenden Personen ausfindig zu machen, sei aber manchmal extrem schwierig. „In dem Gräberfeld ist immer noch einiges im Argen, aber wir sind dran“, betont Yvonne Tillmans.

Laut Friedhofssatzung muss eine Grabstätte würdig hergerichtet und gärtnerisch angelegt werden. „Herr Kwassow hat uns schriftlich für Herbst eine neue Bepflanzung der Grabstätte angekündigt. Dies war bis Anfang November nicht der Fall, deshalb haben wir seine Mutter ein zweites Mal angeschrieben“, erklärt die Pressesprecherin abschließend.

(Report Anzeigenblatt)