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Mode kann man jetzt auch hören

Mode kann man jetzt auch hören
Dr. Karlheinz Wiegmann (3.v.r.) und Dr. Rita Mielke (2.v.r.) freuen sich zusammen mit den Studentinnen Wanwi Feng, Lisa Schmitz, Nora Struwe (v.l.) und Vlada Vegilanski (r.) auf die Ausstellung „Fashion & Fiction“ im Textil  Technikum.
Mönchengladbach. Literatur und Mode - passt das zusammen? Und wenn ja, wie? Antworten liefert das Projekt „Fashion & Fiction“, das für vier Wochen im Textil Technikum zu sehen ist. Neben einer Hörstation haben Studenten der Hochschule Literatur ganz individuell modisch interpretiert. Von David Friederichs

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Effi Briest in ihrem Matrosenkleidchen nur anhand der Textstellen aus dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane zeichnen? Fast jeder würde sein ganz eigenes Bild im Kopf haben, der Fantasie freien Lauf lassen.

Genau mit dieser Idee trat Dr. Rita Mielke an die Hochschule Niederrhein heran. Fünf Textstellen fünf unterschiedlicher Romane stellte sie den Studenten zur Verfügung, ohne genau zu wissen, was am Ende wohl herauskommen würde. „Ich war total verblüfft von den Ergebnissen“, sagt die Projektleiterin und schaut dabei auf ebendiese. Im Textil Technikum im Montforts Quartier sind ab dem heutigen Sonntag Illustrationen, Kleider und andere textile Erzeugnisse zu sehen, die gleich vier Kurse der Hochschule im vergangenen Semester hergestellt haben. „Durch Mode bezieht man Stellung. Selbst jemand, der sich nicht für Mode interessiert, gibt durch seine Kleidung ein Statement ab“, weiß Mielke. Und so unterschiedlich jeder Mode interpretiert, so unterschiedlich sind auch die Ergebnisse.

Lisa Schmitz zum Beispiel hatte sich mit einer Textpassage aus dem Buch „Es geschah in Schöneberg“ der Mönchengladbacher Autorin Susanne Goga beschäftigt. Schnelllebigkeit, Homosexualität aber auch den Stil der 20er Jahre wollte sie verbinden - herausgekommen ist ein kleiner Hocker im Stil der 20er Jahre, auf dessen Sitzfläche ein Bär in Regenbogenfarben und die behandelte Textstelle sind. „Der Bär steht für Berlin, wo der Roman spielt, die Farben sind die der Regenbogenflagge. Und den Text habe ich möglichst schnell geschrieben, um die Schnelllebigkeit zu symbolisieren“, sagt die Studentin.

Dass man ein und den selben Roman völlig unterschiedlich interpretieren kann, zeigen Nora Struwe und Vlada Vegilanski. Während Struwe zum Roman „Die Dame in Blau“ von Noelle Chatelet Kissenbezüge mit Blumenmustern kreiert hat, setzt Vegilanski auf dunkel- und hellblaue Kreise bei ihrem Kissen.

Grundlage des ganzen Projektes und zentraler Baustein aber ist eine mobile Hörstation. Wie unter einer Glocke kann man hier zwischen 24 verschiedenen Textstellen, jeweils nur rund drei bis fünf Minuten lang, wählen - mit modischen Beschreibungen von Jane Austen und Gottfried Keller über Gustav Flaubert und Irmgard Keun bis hin zu Brigitte Kronauer und Joachim Meyerhoff.

„Die Hörstation soll im Anschluss auf Reisen gehen“, erhofft sich Dr. Karlheinz Wiegmann, Leiter des Textil Technikums. Erste feste Station wird dabei die Stadtbibliothek sein, im Anschluss kann die Hörstation auch in privaten oder nur teilweise öffentlichen Räumen zum Einsatz kommen. „Es sollte aber ein Ort sein, in dem man die nötige Muße hat, sich auf das Projekt einzulassen“, so Wiegmann. Wartezimmer, Banken oder öffentliche Verwaltungen sind da nur einige Orte, an die die Organisatoren denken (Infos unter 02166 / 92 89 00).

(Report Anzeigenblatt)