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Leser-Feedback auf das „Eierwerfen“ „Wir verschwenden keine Lebensmittel“

Leser-Feedback auf das „Eierwerfen“ „Wir verschwenden keine Lebensmittel“
Bei den Weltmeisterschaften im Eierwerfen letztes Jahr in England war der Spaß groß. FOTO: Youtube
Mönchengladbach. Deutsche Meisterschaft im Eierwerfen - das fand eine unserer Leserinnen nicht gut und schrieb einen radikalen Leserbrief. Das forderte unsere Leser heraus. Auch der ausrichtende Verein hat geschrieben. Von Klaus Schröder

Der Verein DJK Sportfreunde Hehn verteidigt seine Eier-Weitwurf-Meisterschaften.

„Der Leserbrief hat uns sehr verwundert. Als Ausrichter der Deutschen Eier-Weitwurf-Meisterschaften weisen wir erneut daraufhin, dass bei allen Disziplinen nur Eier verwendet werden, die nicht mehr verkauft werden dürfen und auch nicht mehr zum Verzehr geeignet sind. Anders ausgedrückt: Die Eier sind zur Entsorgung vorgesehen. Wir verschwenden also keinesfalls essbare Lebensmittel.

Die DJK Sportfreunde Hehn in Mönchengladbach organisieren dieses Event (im Übrigen eins von vielen ähnlichen Eierwurf-Events mit langer Tradition in Deutschland), um den Eigenanteil für den Bau eines Kunstrasenplatzes aufzubringen. Der Platz ist für den Bestand und die Weiterentwicklung des Vereins und einen zeitgemäßen Spiel- und Trainingsbetrieb unerlässlich. Ende 2017 hatte die Stadt den neuen Platz genehmigt – allerdings unter der Bedingung, dass der Verein einen Eigenanteil von 100.000 Euro finanziert. Mit verschiedenen Aktionen ist der Verein nun bemüht, die finanziellen Mittel zu generieren. Eine dieser Aktionen ist die Deutsche & Stadt Meisterschaft im Eier-Weitwurf am 28. April.

Bei den DJK Sportfreunden Hehn handelt es sich um einen Dorfverein, dessen finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind. Gleichzeitig leistet der Verein wertvolle Arbeit. Er bietet Kindern und Jugendlichen nicht nur sportlich eine Heimat und er vermittelt Werte wie Fairness, Toleranz und Teamgeist. Das kann er nur leisten, weil sich viele Helfer ehrenamtlich in ihrer Freizeit engagieren. Das gilt auch für die Organisation von Events zur Finanzierung des Kunstrasenplatzes. Dieses Engagement hat Unterstützung verdient. Anmeldungen werden ab sofort unter www.DJK-Hehn.de entgegengenommen.

DJK Sportfreunde Hehn

„Ganz davon abgesehen, dass auch Eier ein Nahrungsmittel sind, diese Art von Zeitertrieb oder eben gedacht zum Aufbringen finanzieller Mittel ist mehr als unpassend. Die mit der Absicht verbundene Respektlosigkeit gegenüber Lebendigem kommt dazu.“

Angela Rochner

„Den Zeilen von Frau Heynert zum unsäglichen „Eierwerfen“ ist nicht viel hinzuzufügen, bis auf: Ideengeber und Mitmacher des Eierwerfens: schämt Euch! Danke an Frau Heynert für ihre ehrliche, ausführliche und richtige Stellungnahme.“

Guido Dückers

„Hier kann ich Frau Gisela Heynert nur beipflichten und dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Ich selbst kaufe aus diesen Gründen meine Eier nur bei einem Mitglied von ’Rettet das Huhn’ aus Rheindahlen, die mir von den von ihr übernommenen Hühnern die gleiche Information gegeben hat, wie von Frau Heynert hier dargestellt. Wenn die Leute diese Hühner sehen würden und wenn sie schon kein Mitleid dafür empfinden können, dann würden sie sicherlich von diesen gequälten Kreaturen kein Ei essen wollen. Diese Veranstaltung fördert auf keinen Fall den Bezug zur Natur und damit zum Leben überhaupt, und das empfinde ich persönlich als Katastrophe. Diesen Leuten wünsche ich eine Hungerszeit, damit der Bezug zu Lebensmitteln und zu Mensch und Tier sich relativiert!“

Anne Clemens

„Was Gisela Heynert uns in recht drastischer Weise vor Augen führt, zeigt an einem alltäglichen Beispiel, dass in unserer Spaß-Gesellschaft heutzutage andere Werte gelten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Noch in den 80er-Jahren, war es in Kindergarten und Schule verpönt, in Lebensmitteln einen anderen Zweck als den der Nahrungsaufnahme zu sehen. Selbst wenn man im Kunstunterricht aus alten Mehlresten einen Salzteig herstellte, um daraus etwas plastisch zu gestalten, musste man sich als Lehrer rechtfertigen, ob das unbedingt mit Lebensmitteln durchgeführt werden müsste. Das war vielleicht etwas übertrieben, aber heute erleben wir genau das Gegenteil. Wenn Eltern keine Werte mehr vorleben und ihren Kindern vermitteln (wie Achtung vor dem Leben, Nahrungsmittel sind kein Spielzeug), werden Kinder nichts Wertvolles mehr in ihrer Lebensumwelt vorfinden und später auch nicht an ihre Nachkommen weitergeben können. Wenn wir alles nur noch danach bewerten, welchen – meist zeitlich begrenzten – Spaßwert es hat, dann wird all das, was in unserer Gesellschaft früher als wertvoll und erhaltenswert gehalten wurde, wertlos, und wir sind auf dem Weg zur wert(e)losen Gesellschaft.“

Wolfgang Schroers

(StadtSpiegel)
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