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Kommen Kunstaufträge künftig direkt vom Volk ?

Kommen Kunstaufträge künftig direkt vom Volk ?
Ein Vorbild für Mönchengladbach? Im brandenburgischen Pritzwalk wird nur gezeigt, was die Bürger wollen. FOTO: Clegg und Guttmann
Mönchengladbach. Kunstwerke für den öffentlichen Raum in Auftrag geben, können Sie sich das vorstellen? Von Petra Käding

Im brandenburgischen Pritzwalk haben die Bürger es schon gewagt, ebenso im französischen Blessy und im Süden Kameruns, jetzt soll die Idee erstmals ins Rheinland kommen, und zwar nach Mönchengladbach, um hier Furore zu machen: „Neue Auftraggeber“ von Kunstwerken sollen die Bürger einer Stadt selbst werden. Bei uns kann es dafür keinen geeigneteren Ankerpunkt geben als das Museum Abteiberg. Heute Abend um 19 Uhr sollen im Haus Zoar vorbildliche Projekte und Details des Konzepts präsentiert werden. Wie sieht so ein Projekt konkret aus?

Eine Gruppe von Brandenburger Bürgerinnen wünscht sich neues Leben im Zentrum ihrer Kleinstadt Pritzwalk. Skulpturen sollen die verödende Altstadt wieder attraktiv machen. Die Künstler Clegg & Guttmann laden stattdessen alle Bürger ein, verwaiste Geschäfte in der Stadtmitte drei Monate lang selbst in Besitz zu nehmen und den Leerstand durch Kultur außer Kraft zu setzen. Es soll nur das gezeigt werden, was die Pritzwalker auch selbst realisieren wollen, geordnet in den sieben Disziplinen Kunst, Fotografie, Mode, Theater, Sprache, Musik und Tanz. Ein Buch soll in einer Chronik erzählen, was die Stadt aus eigener Kraft hervorbringen kann. Allen Zweifeln zum Trotz gehen 72 Projektvorschläge ein, von denen die meisten umgesetzt werden. So wird nicht nur für einen Sommer die Innenstadt zum lebendigen Ort. Die Stadt beweist auch, was in ihr steckt. Einige Bürger gründen sogar einen Kunstverein. Sie haben sich den lange vermissten Anziehungspunkt selbst geschaffen und sind näher zusammengerückt.

(StadtSpiegel)