| 10.23 Uhr

Jungwähler wollen mehr Ehrlichkeit

Jungwähler wollen mehr Ehrlichkeit
Sie interessieren sich sehr für Politik: Alexandra, 21 (li.), Larissa, 20, Tim, 22 (li.) und Marcus,21. FOTO: Klaus Schröder
Mönchengladbach. „Wir wollen nicht angelogen werden und wir wollen keine Versprechen, die man bricht.“ Vier Jungwähler im „Step“ an der Stepgesstraße haben während unserer zweiten Erkundungsreise beim Wahlvolk eine glasklare Vorstellung von Politik geäußert. Von Klaus Schröder

Im Jugendzentrum „Step“ spielen und entspannen junge Leute, nur in einem Raum werden gleich vier Jungwähler sagen, was sie vor der Bundestagswahl denken.

Der 21-jährige Marcus diskutiert mit seinen Freunden nach dem Fußball in der Kneipe oft über Politik. „Die sollen uns vor allen Dingen nichts vorgaukeln.“ Jahrelang hat er sich als Skateboarder für eine eigene Strecke eingesetzt, „junge Erwachsene brauchen einen Rückzugsort.“ Ergebnis: Fehlanzeige.

Alexandra, 21, hat sich bis zur Landtagswahl im Frühjahr nicht groß mit Politik befasst. Dann begann sie eine Ausbildung in der Behindertenhilfe und die Lehrer machten Inklusion und Personalschlüssel zum Thema. „Als ich ins Wahllokal ging und nach zwei Minuten wieder draußen war, dachte ich, das geht ja schnell.“ Jetzt will sie dran bleiben. „Heute habe ich schon den Wahl-O-Mat angeklickt.“

Die 22-jährige Larissa ist da schon weiter: „Ich werde am 24. September zum zweiten Mal als Wahlhelferin aktiv.“ Sie hat sich intensiv mit den Programmen auseinandergesetzt und fragt: Wofür stehen die Parteien?

Auch Tim, 22, war schon Wahlhelfer. Was ihn überrascht hat: „130 Menschen, die hätten wählen können, sind gar nicht erschienen.“

Die 21-jährige Alexandra zählt auf, was sie von Politikern erwartet: „Sie sollten einfach und verständlich reden, vor allem kürzer.“ „Und sie sollten jünger sein“, findet Marcus, der 21 Jahre alt ist„so um die 30, damit sie auch unsere Interessen verstehen können.“

Alexandra setzt noch hinzu, dass sie absolut nicht begreife, wie ein Minister heute für diese Ressort zuständig sein kann und morgen für ein anderes. „Da muss man doch an dessen Kompetenz zweifeln.“

Inhaltlich ist Tim, 22, vor allem eins wichtig: „Die Kriminalität runterbringen.“ Die zunehmende Gewalt beschäftigt ihn. „Früher war Schluss, wenn einer am Boden lag, aber heute ist auf einmal ein Messer da oder derjenige wird halb totgeschlagen.“

Dass junge Menschen, obwohl sie so lange hier leben, nicht wählen dürfen, weil sie nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, ärgert Larissa, 20. „Alle politischen Entscheidungen betreffen diese Menschen doch auch.“

Was Alexandra und Larissa gemeinsam bemängeln, ist, dass so hohe Hürden für das Ausbildungs-Bafög gelten. „Ich muss entweder verheiratet sein, oder getrennt, oder meine Eltern müssen weit weg wohnen.“

Dann geht es um Flüchtlinge. „Schnelle Erfolge sind hier nicht zu erwarten“, sagt Tim, „das Problem kann man nicht mit einem Fingerschnippen lösen.“ Er appelliert noch: „Irgendwo sind wir alle Ausländer.“ Zum Schluss loben noch alle vier die Einrichtung, in der das Gespräch stattfindet. Das „Step“ wird von der Stadt und den beiden großen Kirchen betrieben. „Alle Jugendkulturen haben hier ihre Berechtigung, von Punkern bis zu Rappern.“ Hier geht man respektvoll miteinander um, sagen alle vier stolz.

Einen großen Anteil daran hat das Team von Simone Houben, die die Runde organisiert hat.

(StadtSpiegel)