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Gladbacher Tafel: ein ausgeklügeltes System

Gladbacher Tafel: ein ausgeklügeltes System
Unser Foto zeigt (von links) die beiden Tafel-Vorsitzenden Monika Bartsch und Diane Holzapfel sowie Beisitzer Helmut Mühlhäusler.
Mönchengladbach. Nein, Essener Verhältnisse hat die Tafel Mönchengladbach nicht. Das System der Lebensmittelverteilung an Menschen mit kleinem Haushalts- oder Familieneinkommen ist hier ausgeklügelt. Von Franz Josef Ungerechts

Probleme, wie bei der Essener Tafel, die derzeit bundesweit Schlagzeilen macht, hat es bei der Mönchengladbacher Tafel bislang nicht gegeben. Die Essener Tafel will bekanntlich vorerst nur noch Neukunden mit deutschem Pass aufnehmen, weil ein Großteil ihrer Kunden inzwischen Flüchtlinge ausmacht und die „bedürftige Oma “ mitunter - vor allem von ausländischen Männern - abgeschreckt wird. In Mönchengladbach hat man solchen Problemen von vorne herein vorgebeugt. „Die Kunden sind an den drei Ausgabetagen in Gruppen aufgeteilt“, erklärt Tafel-Vorsitzende Monika Bartsch, so würden Kundenströme entzerrt und mehr Gerechtigkeit bei der Warenverteilung geschaffen. Um die große Anzahl geordnet und in ruhiger Atmosphäre bedienen zu können, gibt es drei Ausgabetage: Montags von 12.30 bis 13.30 Uhr nur für Flüchtlinge und Asylbewerber, mittwochs von 14 Uhr bis 17.30 Uhr und freitags von 14 Uhr bis 17.30 Uhr.

Über 100 Mitarbeiter, fünf Kühltransporter und etwa 90 000 Kunden. Das wären sicherlich gute, wirtschaftliche Zahlen für ein mittelständisches, gewerbliches Unternehmen. Doch in diesem Fall ist die Mönchengladbacher Tafel gemeint. Ein eingetragener Verein mit ausgeklügelten, wirtschaftlichen Strukturen.

Die Tafel existiert im 22. Jahr und hat sich von ihrer Gründung an das Ziel gesetzt, bedürftigen Menschen zu helfen. Noch hat die Tafel ihren Sitz in Lürrip, auf dem ehemaligen REME-Militärgelände. Doch rechnet Monika Bartsch, die erste Vorsitzende, wegen der Bebauungspläne mit einem Umzug bis zum Herbst nach Hehn in den Komplex des ehemaligen „Theater im Nordpark (TIN)“.

Zwölf bis vierzehn Fahrer und Beifahrer sind jeweils von Montag bis Freitag unterwegs, um mit fünf Kühltransportern die gespendeten Waren abzuholen. Gesammelt werden vom Markt genommene, aber noch verwertbare Lebensmittel als Sachspenden bei Supermärkten, Discountern, Lebensmittel-Läden, Lebensmittel-Herstellern, Bäckereien, Metzgereien und Landwirten. Dabei handelt es sich um Waren, deren Haltbarkeitsdatum (MHD) in Kürze erreicht wird oder um Waren aus Überproduktion. Die so gespendeten Grundnahrungsmittel werden an den Abgabetagen in haushaltsüblichen Mengen und in akzeptabler Qualität an bedürftige Einzelpersonen und Familien verteilt. Die Berechtigung zum Bezug der Waren setzt voraus, dass die Kunden das Kriterium „Bedürftigkeit“ erfüllen. Das wird in der Regel durch den amtlichen Leistungsbescheid einer Arbeits-, Sozial- oder Rentenbehörde nachgewiesen.

Die Ware wird kostenlos verteilt. Jedoch bittet die Tafel ihre Kunden um einen pauschalen Kostenbeitrag von 2 Euro pro Monat. Der wird unabhängig von der Anzahl der Personen im Haushalt erhoben. Damit deckt die Tafel einen kleinen Teil ihrer Verwaltungskosten.

Die Tafel versorgt außerdem eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen im Stadtgebiet. Das sind Kindertagesstätten, Jugendheime, Freizeit- und Lernhilfen, Abenteuerspielplätze, Schulen, Obdachlosentreffs, Frauenhäuser. Weitergehende Ziele werden mit Kooperationspartnern durchgeführt.

(Report Anzeigenblatt)
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