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Die wollen doch nur spielen!

Die wollen doch nur spielen!
In der Spielbar werden Spieltechniken verfeinert, Neues ausprobiert und Eigenes kreiert.
Rheydt. Der Mönchengladbacher Spieleerfinder Harald Mücke hat an der Hauptstraße die „Spielbar“ eröffnet. Hier kann man Spiele nicht nur kaufen, sondern auch leihen, selbst erfinden und mit anderen ausprobieren. Getestet hatte er die Geschäftsidee zuvor während der Schauzeit. Von Ulrike Mooz

Spielefans sind Menschen, die mit Leidenschaft andere vom Brett fegen, hart um Hütchen und Ereigniskarten kämpfen und kein Pardon kennen, wenn man ihnen an die Spielsteine will. Harald Mücke ist so einer. Er spielt nicht nur, sondern erfindet auch selber Spiele, war lange Zeit der Vorsitzende der deutschen Spielautorenzunft und gehört zu den Gründungsmitgliedern einer Genossenschaft aus 50 Spielekleinverlagen, zu denen sein eigener mit dem Mückenlogo auch zählt.

Jetzt hat der Spieleautor noch eins drauf gesetzt, seinen Nebenberuf zum Hauptberuf gemacht und an der Hauptstraße 52 die Spielbar eröffnet - nachdem er zuvor die Geschäftsidee im Eckchen eines leerstehenden Ladenlokals im Rahmen der Schauzeit in Rheydt getestet hatte.

Wer Spiele erfindet, musst strategisch denken können, einen Blick für Details haben und ein bisschen was von Psychologie verstehen. „Man läuft so rum, sieht was und denkt, Moment das könnte ich was draus machen“, sagt Mücke. Vor allem die Details und eine Prise Psychologie sind es, was er früher schon in Kursen der Familienbildungsstätte an die Leute gebracht hat. Jetzt können potenzielle Erfinder in seine Spielbar kommen und sich die Tipps dort in Workshops holen. Blanko-Spiele, quasi die Zutaten für ein Spiel, wenn man es denn nicht selbst basteln möchte, führt Mücke außerdem.

Und nicht nur das: Wer ein Spiel erstmal ausprobieren möchte, bevor er es für teures Geld kauft, findet hier zur Zeit in der Ausleihe 150 bis 200 Leihspiele. Bald sollen es rund 400 werden. Für 2 Euro Leihgebühr und die Personalien kann man sich hier genauso bedienen, wie in der Bücherei.

„Unser Laden soll auch ein Treffpunkt zum kennenlernen sein“, sagt Harald Mücke. Drei bis vier Treff-Termine im Monat für Spielverrückte schweben dem Spieleautor vor. Nächster Treff noch in diesem Monat ist der Fußballspiele-Treff mit Tipp-Kick, Schnipp es und Playmobil - Turnier natürlich inbegriffen.

Welches Spiel der Spiele-Profi selber am liebsten spielt? Das Strategiespiel El Grande - das ist nicht von Mücke und war 1996 Spiel des Jahres. „Für solche Spiele muss man fit sein. Wenn man gestresst ist, spielt man besser was Einfaches“, sagt er.

Sämtliche Versuche der Spieleindustrie, Gesellschaftsspiele zu digitalisieren, waren übrigens, so Mücke, bisher eher von wenig Erfolg gekrönt. Da ziehen die meisten eben doch noch das gute alte Pappbrett mit Holz- oder Plastikpüppchen vor.

(StadtSpiegel)