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Die Hüter des Schmölderparks

Die Hüter des Schmölderparks
Horst Hübsch (l.) und Gerry Böer gehören zu den Förderern des Pavillons, der gerade frisch renoviert wurde. Unten Park und Pavillon in früherer Zeit. FOTO: Andreas Baum/ Gerry Böer
Rheydt. Seit fast 130 Jahren ist der Schmölderpark grüne Lunge im Herzen von Rheydt. Der Förderverein Schmölderpark sorgt nicht nur dafür, dass einmal im Jahr open Air der richtige Sound rüber kommt, sondern auch, dass in dem „Park mit Waldcharakter“ nichts gammelt, vermüllt oder vergessen wird. Von Ulrike Mooz

Wenn Vereinsmitglied Gerry Böer mittwochs „Enkeltag“ hat, dann geht es oft auf den Spielplatz im Schmölderpark – mit offenen Augen. Denn überquellende Mülleimer, wild abgestellte Gelbe Säcke und umgekippte Baustellengitter werden hier nicht einfach links liegen gelassen. Der Förderverein Schmölderpark hat es sich auf die Fahnen geschrieben, dass dieser Park bleiben soll, was er ist: eine Oase der Erholung, in der es grünt und blüht. Um das zu erhalten, werden alle Register gezogen. Da sieht man in trockenen Sommerwochen auch schonmal den Vereinsvorsitzenden Horst Hübsch mit Ehefrau Brigitte die Kübelpflanzen wässern, oder die – augenzwinkernd „Teichhühner“ genannten – Vereins-Damen den Wasserstand des parkeigenen Bauernteiches kontrollieren.

„Bettelbriefe für den Schmölderpark fallen mir nicht schwer. Ist ja nicht für mich persönlich“, sagt Horst Hübsch, ehemaliger Bezirksvorsteher und schon seit Ende der 90-er Jahre in Sachen Schmölderpark unterwegs.

Angefangen hat alles damit, dass es damals dem – in den städtischen Büchern als „Musiktempel“ geführten – alten Pavillon an den Kragen gehen sollte. Der unisolierte und vollständig unterkellerte Bau von 1935 zog Feuchtigkeit und verrottete. Eine Sanierung überstieg schon zu dieser Zeit die städtischen Mittel. Der damalige Ratsherr Kalle Schiffer hatte die Idee zur Initiative „Rettet den Pavillon“. Er legte damit auch den Grundstein für die heutige Kultveranstaltung „Sound of Schmölderpark“, deren erste Ausgabe als Pavillon-Rettungs-Fest 1999 dem bedrohten Bauwerk eine neue Funktion geben sollte. 13 Stunden Programm spielten damals rund 16 000 Mark an Spenden in die Kasse der Initiative - ein Anfang, dem sich zahlreiche Geldgeber und Handwerksbetriebe anschlossen. Mit Eigenleistung und Spendengeldern wurde aufgestemmt, verputzt, gestrichen, der Keller zum Großteil zugeschüttet und Elektrik und Wasser gelegt. Und der gerettete Pavillon wurde zur Bühne für Jazz und Rock namhafter Musiker wie „The Lords“ und „Fun“ und besonders von heimischen Nachwuchsbands.

Als der Pavillon jetzt „reif“ für das nächste Facelifting war, wurde ein altes Thema wieder dringlich: Bis jetzt war es den Förderern nicht gelungen, als eingetragener Verein gemeinnützig zu werden. „Viele hätten gerne gespendet, aber wir durften ja keine Spendenquittungen ausstellen“, so Hübsch. Doch mit der Ausweitung des Vereinszwecks vom Pavillon auf den gesamten Park konnte vor ein paar Monaten diese Hürde endlich genommen werden.

Nach der erneuten Rettung des Pavillons im Juli und August diesen Jahres, mit Rollladenerneuerung, Elektrik für die Rollläden an drei Seiten, frischer Farbe, neuer Kellertür und Lüftungsschacht für rund 25 000 Euro hat der Verein schon wieder neue Projekte auf dem Plan. Sanierung oder Abriss des alten Klohäuschens stehen auf der To-Do-Liste, eine Erneuerung des undichten Teichbodens, die Reinigung des Schmölder-Denkmals und die Renovierung der Gedichttafeln.

(Report Anzeigenblatt)