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Dem Müll eine zweite Chance

Mönchengladbach. Abfall gehört in die Tonne? Es geht auch anders: Im Masterstudiengang Textile Produkte Design der Hochschule Niederrhein hat eine Gruppe Studierender aus Müll Schuhe entworfen, die nicht nur schrill aussehen und ökologisch abbaubar sind, sondern zum Teil auch mehr können, als nur die Füße ihrer Trägerinnen zu schmücken. Von Ulrike Mooz

Wie genau aus Orangenschalen stylische Boots werden, ist das gut gehütete Geheimnis von Elise Esser, Designerin eines orangefarbenen Schnürschuhs mit dem Produktnamen „Saftig“. Sogar eine elastische Sohle aus Orangenschalen hat die angehende Textildesignerin entwickelt. Und obwohl alle Schuhe erstmal Prototypen sind, die noch weiter entwickelt werden können, hat sie ihre Schuhe schon am lebenden Fuß ausprobiert.

Auch der Highheel „Spiel, Satz, Sieg“ aus recycelten Tennisbällen ist schon am echten Fuß gewesen: halbe Tennisbälle wirken als fußfreundliche Stoßdämpfer, Obermaterial Tennisnetz. „Es geht mir um die Nutzung weggeworfener Sportartikel“, sagt Tanja Haunreiter, allein in Deutschland würden jährlich 1 400 Tonnen Tennisbälle entsorgt.

„Eggboots“ aus zerkleinerten Eierschalen kombiniert mit Jute und Altpapier von Samira Schüler, Wollfilzstiefel mit Autoreifensohle, inspiriert von der Autowerkstatt des Vaters, von Katharina Grobheiser und Schuhe, die die Energie des Laufens nutzen, um die Füße zu massieren oder zur Ladestation fürs Handy werden von Katerina Amprazi und Julia Kohl : Die angehenden Designerinnen aus dem Studiengang Textile Produkte Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein sind mit ihren Ideen ganz im Trend. „Müll ist das Thema unserer Generation“, sagt Tanja Haunreiter.

Mit Müll schicke Upcycling-Produkte zu entwerfen, nachhaltig zu arbeiten, hatten sich die Studentinnen vorgenommen. „Die meisten Schuhe sind heute nicht recyclingfähig“, sagt Elise Esser.

Julia Kohls Modell „ Transposable en argent“ ist in noch anderer Weise nachhaltig, denn das so genannte Upper, also der „Aufbau“ des Schuhs, kann vom Sneaker, in Schlappe oder Sandale gefaltet oder später mit Magnetbefestigung auch komplett ausgetauscht werden. Außerdem wird die Energie des Laufens genutzt, um einen Akku zu füllen, mit dem man per USB-Stecker das Handy aufladen kann.

(Report Anzeigenblatt)