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„Wollen Sie sich bereichern ?“

„Wollen Sie sich bereichern ?“
Elke Böhmer vor ihrem Geräte-Schuppen, den die Müllfahrer halb mitgenommen haben. Die Tür traut sich niemand zu öffnen, weil Einsturzgefahr besteht. FOTO: schrö
Wickrath. Im Januar hat ein Müllwagen der mags die kleine Geräte-Garage von Elke Böhmer gestreift. Jetzt streitet sie sich mit der Stadt um den Regress und muss sich Fragen gefallen lassen wie „Wollen Sie sich bereichern?“ Von Klaus Schröder

Die Siedlung an der Dr.-Heinrich-Lohmann-Straße strahlt Ruhe und Heimeligkeit aus. Die Wege sind schmal, oft ohne erhöhten Bürgersteig. Aber auch hier muss der Müll abgeholt werden. Kein einfacher Job für die Fahrer der mags – und so passierte am 6. Januar, was mal passieren musste: Mit der Fußraste am Heck nahm der Müllwagen die Ecke des Garagen-Anbaus von Elke Böhmer mit, ein kleiner Raum, in dem unter anderem ihre Sommerreifen und die Fahrräder der Familie verstaut sind.

Jahrelang hatte sie sich um eine Baugenehmigung für diesen Aufbewahrungsraum bemüht. Gemauert wäre er ihr am liebsten gewesen. Doch das kam für die Stadt nicht infrage. Also beauftragte sie ein Firma mit der Extra-Anfertigung, für die sie 2003 2 300 Euro zahlte. Am Unfalltag hatte es noch geheißen: Das ist überhaupt kein Problem, wir ersetzen Ihnen das schnell und unbürokratisch. Doch schnell wanderte die Angelegenheit von der mags zum Fachbereich Recht der Stadt. Hier bot man Elke Böhmer in einem ersten Schreiben 1 800 Euro, den Zeitwert, natürlich ohne Mehrwertsteuer. Als sie sich damit nicht zufrieden gab und den Behörden vorrechnete, sie müsse ein neues Unternehmen finden und ein erster Kostenvoranschlag beliefe sich auf 2 710 Euro, ließen die Behörden die Frage durchblicken, ob sie sich bereichern wolle?

Elke Böhmer ist empört: „Die haben doch Mist gebaut und sollen dafür auch gerade stehen!“

Jetzt zieht sich das Verfahren schon über mehrere Monate hin, und das hat auch Folgen für die Familie. „Wir machen die Tür da nicht auf, hinterher stürzt das Teil über uns zusammen.“ An ihre Sommerreifen kommt sie deshalb nicht und die Kinder nicht an die Fahrräder.

Letzte Woche gab es von der Stadt einen neuen Brief. Darin wurde für die Garage aus Stahlblech eine neue Rechnung aufgemacht: „Durchschnittliche Lebensdauer 50 Jahre weniger 14 Jahre gleich 36 Jahre; 2 710 Euro durch 50 mal 36 gleich 1951,20 zuzüglich 100 Euro Nutzungsausfall für die Fahrräder zuzüglich 25 Euro wären 2 076,20 Euro. Ich bin bereit, Ihnen 2 100,00 Euro zu zahlen.“ Elke Böhmer ist das weiter zuwenig.

(StadtSpiegel)
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