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„Viele haben große Sorgen“

„Viele haben große Sorgen“
Die Sorge vor Viehfutter-Mangel ist groß, weiß Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Der anhaltend blaue Himmel mit trocken-heißem Hochsommerwetter bringt zwar Urlaubsfeeling an den Niederrhein, aber auch große Sorgen für die Landwirte. Ein bisschen Regen am Wochenende reicht da noch nicht wirklich zur Rettung. Extra-Tipp sprach mit dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, Wolfgang Wappenschmidt. Von Ulrike Mooz

Das Gras ist trocken-gelb statt saftig-grün, der Trecker zieht eine lange Staubwolke hinter sich her, auf dem Gemüsefeld zischt ununterbrochen der Wassersprenger - man könnte meinen, man sei in Südfrankreich und in Urlaub fahren sei überflüssig geworden, aber für die Landwirte ist das alles andere als spaßig: „Was wir hier erleben, ist neu, ich kann mich nicht erinnern, dass wir eine so extreme Wetterlage schon mal hatten“, sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mönchengladbach-Neuss, „wir haben viel zu wenig Wasser in den Böden“. Und zu wenig Wasser bedeutet auch zu wenig Nährstoffe. Selbst, wenn an diesem Wochenende ein bisschen Regen kommen sollte, sei das nur eine Entspannung der Situation, aber keine Entwarnung. „Eine halbe Stunde Regen reicht nicht, wir brauchen schon einen schönen Landregen, der ein paar Tage dauert, damit die Wasserspeicher wieder aufgefüllt sind.“ Starkregen sei sogar eher kontraproduktiv, weil der harte Boden große Wassermassen nicht aufnehmen könne.

Um das Schlimmste zu verhindern, laufen auf den Feldern ununterbrochen die Wassersprenger. „Manche Bürger machen sich Gedanken, dass wir zu viel Grundwasser entnehmen, aber wir führen es ja dem Kreislauf unmittelbar wieder zu“, sagt Wappenschmidt.

Das Thema Getreide ist für die Landwirte gelaufen. Gerste sei noch ganz gut gewesen, Weizen dagegen schon ziemlich schlecht. Auch für die Kartoffelernte sieht Wappenschmidt schwarz: Der harte Boden fördere zu den Kartoffeln auch harte Erdklumpen mit zutage, die die Kartoffeln auf den Förderketten beschädigen. „Viele Landwirte machen sich große Sorgen, dass sie gar nicht roden können“, sagt er.

Für das Obst habe es erst gut ausgesehen. Im Vergleich zum letzten - zu kalten - Jahr gäbe es viel mehr Früchte. Doch bei langer Trockenheit könnten die zu früh abfallen. Selbst die Zuckerrüben, die in Sachen Trockenheit einiges ab können, liegen flach am Boden und werfen ihre Blätter ab. „Die Kraft der Pflanze geht dann in die Bildung von neuen Blättern, statt in den Rübenkörper“, und Zucker würde sich dann auch kaum bilden.

Die Heuernte sei zwar hervorragend gewesen, aber nun warte man vergeblich auf den - in intensiven Grünlagen üblichen - zweiten, dritten und vierten Schnitt. „Da kommt bei der extremen Trockenheit nichts mehr nach“, so Wappenschmidt. Und ob genug Viehfutter für den Winter eingefahren werden könne, wüsste niemand.

Man werfe den Landwirten schnell vor, sie würden immer jammern, aber bei solchen - vermutlich durch den Klimawandel verursachten - Wetterextreme sei es an der Zeit, dass die Politik über Sicherungssysteme für die Bauern diskutiere, etwa eine Allwetterversicherung, die es bislang nicht gäbe, so Wappenschmidt. In der Milchkrise vor zwei Jahren seien zwar EU-Fördermittel für die Bauern bewilligt worden. Die hätten aber so lange gebraucht, dass die, die in Not waren, längst aufgegeben hatten, und die anderen sie nicht mehr brauchten.

„Es geht schließlich nicht nur ums Geld, es sollen doch auch landwirtschaftliche Strukturen erhalten bleiben“, moniert Wappenschmidt.

Unterdessen wird im Bauernverband darüber diskutiert, den Notstand auszurufen.

(Report Anzeigenblatt)
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