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„Nicht auf Augenhöhe“

„Nicht auf Augenhöhe“
Heinz Schoenen (r.) und der Wirt des Ratskellers, Harald Gerstung, machen aus ihrer Sympathie für die CDU kein Geheimnis - aber Kritik gibt es auch. FOTO: Klaus Schröder
Rheydt. Was denken die Menschen in der Stadt über die Bundestagswahl 2017? Der Stadt Spiegel fragt dreimal nach. Die erste Folge führt uns in den Ratskeller am Rheydter Markt. Von Klaus Schröder

Am Stammtisch bildet sich immer noch politische Meinung, zumindest, was die älteren Semester angeht. Heinz Schoenen gehört mit seinen 80 Jahren dazu, „ein echter Rheydter Jung“, der sich zur CDU bekennt. Allerdings nicht uneingeschränkt: „Die Politiker befinden sich nicht mehr auf Augenhöhe mit den Bürgern. Das kritisiere ich.“

Die Tatsachen sehen für ihn so aus: „Ich bin der Souverän und wir sind die kollektiven Arbeitgeber der Politiker.“ Heinz Schoenen redet sich in Rage.

Was würde er Erstwählern raten? „Macht euch selber Gedanken, lasst euch nicht von Hetzern aufwiegeln.“ Wie wird die Wahl ausgehen? Der Stammgast und sein Wirt, Harald Gerstung, sind einig: „Schulz wird es nicht schaffen.“ Sie tippen auf Schwarz-Gelb.

Zwei ältere Herren und eine Dame stoßen zu der Diskussion vorm Eingang der Gaststätte. Man kennt sich. Der Zeitungsschreiber wirft in die Runde, zum ersten Mal würde er darüber nachsinnen, ob er die Wahl Wahl sein lassen sollte. Alle protestieren: „Auf keinen Fall. Und wenn Sie die Kommunisten wählen. Da gibt’s auch gute Leute.“ Heinz Schoenen und die Dame verstehen aber, warum immer weniger Menschen wählen gehen. „Es wird zu viel Blabla geredet.“ Und Harald Gerstung ergänzt: „Früher gab es noch diese Urgesteine, Strauß und Wehner, da wurde nicht um den heißen Brei geredet.“ Die Debatte am Stehtisch flattert auseinander. Es geht um Probleme vor Ort. Sauberkeit. Ausländer und ihre Kultur, die man hier in Rheydt gut beobachten könne. Einer der beiden älteren Männer arbeitet seit Jahren in Afrika. „Ich sage immer, aus Erfahrung, die Leute dort sind faul. Man hilft ihnen und dann lassen sie alles verfallen. Aber das will ja keiner hören.“ Die Frau schlägt die Augen hoch: „Für solche Stammtischparolen bin ich ja nicht so.“ Jetzt werden positive Beispiele hervorgekramt. Vier Schwarze und eine türkische Großfamilie gehen aus persönlichen Anekdoten als Helden hervor. Dennoch ist die Runde für eine Flüchtlingsobergrenze. Heinz Schoenen sagt: „In den Kreißsälen wird entschieden, wer mal die Mehrheit hat.“

Der Begriff „Die Wahrheit sagen“ kommt in den Beiträgen häufig vor. Denn eins müsse doch allen klar sein: „Die Leute sind ja nicht doof.“

(StadtSpiegel)