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„Du Opfer!“ – Cybermobbing an Gladbachs Schulen

„Du Opfer!“ – Cybermobbing an Gladbachs Schulen
Böse Sprüche und Drohungen per whatsApp - von Schülerscherzen kann man da nicht mehr sprechen. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Die Beschimpfungen kommen per Whatsapp: "Schlampe!", "Opfer!" Schon Grundschüler werden von ihren Mitschülern beleidigt, bedroht, in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Was unternehmen Polizei, Schulen und Eltern in Mönchengladbach dagegen? Von Petra Käding

Cybermobbing ist keine Ausnahmeerscheinung. Heike Gottmanns vom Fachbereich Kriminalprävention der Polizei weiß aus Erfahrung: "An allen Schulen in Mönchengladbach, Grundschulen wie weiterführenden Schulen, wird übers Internet gemobbt. Sobald Kinder ein Handy haben, geht es los."

"Gehänselt" wurde auch früher. Aber durch das Internet hat Mobbing ganz neue Dimensionen angenommen. Wo es im direkten Kontakt noch eine Hemmschwelle gab, wird übers Handy ungefiltert beleidigt, bedroht, werden ohne Einwilligung Fotos von Mitschülern gepostet und den "Hatern" im Netz ausgeliefert. Gemobbt wird durch alle gesellschaftlichen Schichten und Alterstufen und in alle Richtungen: Nationalität, Hautfarbe, Behinderung, "falsche" Kleidung.

Laut JIM-Studie (mpfs) gibt unter den 12- bis 19-Jährigen jeder Dritte (34 ) an, dass in seinem Bekanntenkreis jemand online fertig gemacht wurde.

So wie Sophia. Die 15-Jährige erzählt, wie sie, als sie noch etwas dicker war, von einem Mitschüler fotografiert und gemobbt wurde. "Er hat das Foto rumgeschickt und geschrieben: 'Boah, bist du fett, Alter. Geh sterben, so was wie dich brauchen wir nicht!' Als ich versuchte, mich zu wehren, hat er mir gedroht, er würde mich umbringen, wenn ich jemandem davon erzählen würde."

Sophia war verzweifelt, ließ sich krank schreiben, wollte nicht mehr zur Schule, bis sie sich doch ihrer Mutter anvertraute. Sogar zur Polizei ist sie gegangen. Ihr Mitschüler wurde mit Sozialstunden "bestraft". Und Sophia? Ist durch die Erfahrung, dass sie sich nichts gefallen lassen muss, ein starkes Mädchen geworden.


Stark ist auch Arne. Mitschülerinnen unterstellten dem 16-Jährigen, er würde schlecht über sie reden. "Sie schreiben mir: 'Mach nur so weiter, du wirst schon sehen, was passiert, du Arschloch!'" Auch Arne tat das Richtige und holte sich Hilfe – in dem Fall bei seinem Lehrer.


Doch wie gehen die Schulen mit dem Problem um? Auf die Anfrage der Redaktion bei den Schulleitern folgen sehr unterschiedliche Reaktionen. Einige geben an, an ihrer Schule gebe es kein Cybermobbing. Andere wollen sich nicht zum Thema äußern. Und wieder andere sind froh, dass das Thema aufgegriffen wird, weil sie Handlungsbedarf sehen. So wie Lehrerin Ulrike Wangler von der Gesamthauptschule Heinrich-Lersch. "Wir nehmen dieses Problem wahr und finden einen Umgang damit", erklärt sie. "Wir sprechen mit den betroffenen Schülern. Wir holen uns Sozialarbeiter zur Unterstützung. Wir leiten an Beratungsstellen weiter. Und wir führen Maßnahmen zur Prävention durch."


Prävention ist auch Aufgabe von Heike Gottmanns und ihrem Kollegen Peter Kiewitt. Die beiden sind an fast allen Gladbacher Schulen unterwegs. Sie klären über den sicheren Umgang mit dem Smartphone auf, halten die Kids an, wenig Daten von sich preiszugeben, sich zu wehren, wenn sie nicht auf ein Foto wollen, und sich bei Unsicherheit an ihre Eltern oder Vertrauenslehrer zu wenden. "Bei der Aufklärung sind insbesondere die Eltern gefragt", sagt Heike Gottmanns. "Wir bieten deshalb auch Elternabende an."


Obwohl es am Franz-Meyers-Gymnasium in Giesenkirchen bislang keine Fälle von Cybermobbing gebe, findet auch Schulleiter Armin Bruder: "Es ist wichtig, dass Schulen und Eltern zusammenarbeiten. Denn Eltern wissen oft gar nicht, was ihre Kinder so treiben, dass sie zum Beispiel nachts um zwei Chat-Kontakte haben...!"


"Mobbing im Internet ist strafbar – Prävention ist wichtig!", fasst Heike Gottmanns zusammen – und weist auf eine Internetseite hin, die Kinder, Eltern und Lehrer ausführlich über Cybermobbing informiert: www.klicksafe.de

(StadtSpiegel)