| 17.13 Uhr

Fahnenklau: Wird aus „fringsen“ jetzt „woelken“?

Fahnenklau: Wird aus „fringsen“ jetzt „woelken“?
Auch in Köln war die „Macht vom Niederrhein“ präsent. 5.000 Fans sahen das Spiel vom Gästeblock aus. FOTO: Franz Josef Ungerechts
Köln/Mönchengladbach (fju). Unser Mitarbeiter Franz Josef Ungerechts war am Sonntag live beim Spiel 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach dabei. Bis auf den Fahnenklau hat er ein im Umfeld ruhiges Spiel gesehen. Hier ein sehr persönlicher Fan-Bericht. Von Franz Josef Ungerechts

Eigentlich bin ich nicht nach Köln gefahren, um mir, nach einem Kölner Tor, das „Trömmelche“ mit seinem „Kölle Alaaf“ laut dröhnend über die Stadion-Anlage in Müngersdorf anzuhören. Doch am Sonntag musste ich – und das genau zweimal. Für den Gladbach-Fan war das, nach Spielverlauf, mindestens einmal zu viel.

Menschenskinder, was hätten wir klettern können. „Bei einem 5:0-Sieg ist heute sogar der zweite Platz drin“, so Borussenfan Peter M. vor dem Derby in Köln. Der Stand der Tabelle beflügelte die Hoffnungen vieler Fans auf einen haushohen Sieg. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der Start in die Rückrunde ging für die Borussia richtig in die Hose. Traurig traten die Fans ihre Rückreisen an, enttäuscht von den Leistungen der Borussen, die mit 1:2 in Müngersdorf verloren.

Ganz anders der „normale“ Köln-Fan. Markus, im rotweißen FC-Outfit, war vor dem Spiel schon mit einem Unentschieden zufrieden. Um ein Kölsch wetten wollte er jedoch nicht mit mir – „vielleicht ist ja heute mehr drin“. Die Vorzeichen im Borussenumfeld deuteten keineswegs auf eine Niederlage hin. Bereits um 14.30 Uhr war der Gästeblock sehr gut gefüllt und es gab die ersten deutlichen Hinweise auf die zweite Liga in Richtung Kölner Südkurve. Kölns Gegenwehr setzte gegen 15 Uhr ein, als der Stadionsprecher die Gladbacher „in der schönsten Stadt Deutschlands“ begrüßte.

Nach dem Spiel traf ich Markus wieder. Voller Freude nahm er mich in die Arme, den Tränen nahe und glücklich über das Siegtor in der letzten Sekunde und endlich einmal, wie er sagte, auch über einen positiven Video-Beweis. Häme gab es kaum von den Kölnern; sie hielten sich glückselig an den „Höhner“-Song „Kumm, loss mer fiere, nit lamentiere“.

Für einen unrühmlichen „Höhepunkt“ sorgte die Kölner Südkurve in der Halbzeitpause. Eine kleine Gruppe Fans hatte sich mit Mitarbeiter-Westen des Kölner Ordnungsdienstes ausgestattet und sich in der Pause bis zum Borussen-Block vorgearbeitet. Dort rissen sie die Zaunfahne der Ultra-Gruppe „Scenario Fanatico“ herunter und brachten ihre Trophäe in den Kölner Block – und der feierte ausgiebig den Fahnenklau. Ein Aufeinandertreffen der Fangruppen konnten Stadionsprecher und Sicherheitskräfte verhindern.

Vielleicht haben die Kölner die Sätze ihres Kardinals Rainer Maria Woelki zu ernst genommen, der vor dem Derby erklärte: „Man darf für alles beten. Der liebe Gott hat ein Ohr für die Hoffnungen der Menschen!“ Für mich sieht es nun so aus, als habe der Kölner Fanblock seine eigene Interpretation in der Auslegung des siebten Gebotes „Du sollst nicht stehlen“. Vor 70 Jahren gestattete Kardinal Josef Frings das nach ihm benannte „fringsen“, wenn es um Mundraub ging. Muss man logischerweise jetzt vom „woelken“ reden, wenn es um Fahnenklau geht?

(StadtSpiegel)
Weitere Empfehlungen für Sie!Anzeige