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Eberl: Offen, ehrlich, angriffslustig

Eberl: Offen, ehrlich, angriffslustig
André Schubert (l.) erhielt bei der Mitgliederversammlung fast schon ein Jobgarantie von Max Eberl (m.). Stephan Schippers (r.) durfte das beste wirtschaftliche Ergebnis der Vereinsgeschichte verkünden. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Auf seine Rede waren alle gespannt: Max Eberl erntete auf der Mitgliederversammlung der Borussia viel Applaus. Im August geht seine Amtszeit ins neunte Jahr und damit klettert er auf Platz zwei hinter Helmut Grasshoff. Und Eberl hat noch viel vor mit Borussia - kurz- und klangfristig. Von David Friederichs

Stephan Schippers war nicht zu beneiden. Und das lag keinesfalls an dem was Borussias Geschäftsführer zu verkünden hatte. Schließlich liegt hinter Borussia Mönchengladbach das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte. Erträge in Höhe von 160 Millionen Euro, ein Jahresüberschuss nach Steuern von 21 Millionen Euro und damit ein Eigenkapität von mittlerweile 61 Millionen Euro - beeindruckende Zahlen. Und doch waren zu diesem Zeitpunkt viele herausgeeilt, zu den Imbissständen oder gar nach Hause. Denn kurz zuvor hatte Sportdirektor Max Eberl seine Rede gehalten, eine Rede die offen und ehrlich wirkte, aber auch angriffslustig und realistisch. „Eins dürfen Sie mir glauben: Es macht keinen Spaß nach zwei so beschissenen Spielen hier zu stehen“, führte er in seine Rede ein. Zum achten Mal stand Eberl oben auf der Bühne vor der Südkurve. „Als ich anfing, wollte ich den bestmöglichen Job machen und in Sachen Vertragslänge unter die ersten drei Manager“, blickte Eberl zurück. Im August schließlich wird Eberl sogar auf Platz zwei rücken, hinter „den großen Helmut Grass hoff“. Auch wenn Eberl dies stolz macht, so war ihm dennoch anzumerken, dass er den Blick lieber auf das Hier und Jetzt richten wollte. „Wir haben der Mannschaft nach Hannover in den Arsch getreten. Wir haben ihr gesagt, sie soll es nicht verspielen und die Chance auf etwas Großes nutzen.“ Etwas Großes, das wäre der erneute Einzug in den Europa-Pokal. Denn dies sei, trotz der schwächelnden Konkurrenz, kein Selbstverständnis. Vor allem nicht nach einer Saison, die Eberl als skurril bezeichnete. Und damit meinte er nicht nur den Start mit fünf Niederlagen und den Rücktritt von Lucien Favre. „Der Verein war in großer Gefahr: kein Trainer, kein Punkt, eine verunsicherte Mannschaft.“ Schubert übernahm und wurde zum Chef befördert, „nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern auch wegen der Art und Weise, wie er mit der Mannschaft gearbeitet hat“, so Eberl. Dass er (Schubert) nun auch etwas Zeit bräuchte, seine eigenen Ideen, seine Philosophie und Spielsystem einzuführen, sei klar. „Und er wird diese Zeit bekommen“, stellt Eberl fest und gab damit Schubert mehr oder minder eine Jobgarantie.

Eberl schaffte den Spagat zwischen Demut für das Erreichte und dem Bewusstsein für gestiegene Erwartungen und zeigte abschließend auf, wie der Weg in die Zukunft ausschaut. „Wir werden den Weg weiter mit Talenten gehen.“ Ein alternativloser Weg angesichts der neuen Finanzkraft aus England. Man müsse Talente früher sehen als andere und dafür auch Geld in die Hand nehmen. „Das wird unser nachhaltiger Weg nach vorne sein“, versprach Eberl. Dafür würde auch ein neues Internat für jetzt 25 Talente gebaut, größer als das bestehende (10 Plätze) aber auch nicht zu groß. „Wir wollen uns intensiv um die jungen Nachwuchsspieler kümmern.“

Das Geld jedenfalls ist da, wie Schippers zu berichten wusste. Und dafür ist Borussia zu beneiden.

(StadtSpiegel)