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Pluntke: Soccer made by SCR

Pluntke: Soccer made by SCR
Maurice Pluntke zusammen mit seinen Eltern nach einem Spiel der Orange City Blues. FOTO: Privat
Rheindahlen. Als „kleener Jong“ kam Maurice Pluntke einst zum SC Rheindahlen und mauserte sich zu einem sehr talentierten Fußballer. Nach „Kalla“ Pflipsen ist er der zweite SCR-Spieler, der es in die Bundesliga schaffte. Jetzt kickt er erfolgreich in den USA. Von Bert Stevens

„Er wird noch seinen Weg machen“, sagt SCR-Boss Norbert Hübner. „Vielleicht wird er in Amerika noch ein ganz Großer!“ Hübner, der stets sehr vorsichtig mit Prognosen umgeht, äußert sich im Fall Maurice Pluntke aber gerne in einer solchen Art und Weise, denn seiner Meinung nach, erfüllt der 22-Jährige alle Voraussetzungen eines guten Profis.

Mit fünf Jahren kam Maurice Pluntke zum SC Rheindahlen, gehörte zu den „Bambinis“, machte anschließend in der F– und E-Jugend als torgefährlicher Stürmer von sich reden. Hübner: „Maurice war brandgefährlich, stets durch die Mitte und dann den schnellen Abschluss suchend. Er schoss bei uns sehr viele Tore.“ Was liegt aber bei einem solchen Talent näher, als dass er zu seinem Traumverein will – zur Borussia. Im Alter von acht Jahren ging dieser Traum für Pluntke in Erfüllung: er war bei „seiner Borussia“ angekommen. Doch als Stürmer wollte man ihn dort nicht. Kurzerhand wurde der er zum Abwehrspieler umfunktioniert, da Borussia damals genügend Stürmer in ihren Reihen besaß. Zwölf Jahre spielte Pluntke in vielen Jugendteams der Borussia und führte seine Mannschaften oft als Kapitän aufs Spielfeld. Auch das Trikot der Ü23 durfte der Rheindahlener sich als Abwehrspieler überstreifen. „Es wäre natürlich mein größter Traum gewesen, in meiner Stadt und in meinem Verein den Durchbruch zum Profi zu schaffen. Aber die vielen Verletzungen“, hadert Pluntke noch heute mit dem Schicksal.

Doch die Zeit bei Borussia war für ihn dennoch ein Sprungbrett. Als sich die Chance bot, bei Fortuna Düsseldorf mehr Spielpraxis zu sammeln und irgendwann in der 2. Liga Bestandteil dieser Mannschaft zu werden, wechselt er an den Rhein. Nach all seinem Verletzungspech klappt es sogar schneller, als Pluntke es erwartet hatte. Gegen den VFR Aalen (0:2) macht er sein erstes Bundesligaspiel. Ein Traum ging in Erfüllung – trotz der bitteren Niederlage. Doch bei Fortuna änderte sich die Situation: der damalige sportliche Leiter Helmut Schulte wurde entlassen, Interimstrainer Taskin Aksoy wieder zur Ü23 versetzt – und mit Frank Kramer ein neuer Trainer verpflichtet. „Fortuna wollte unbedingt in der ersten Bundesliga spielen und somit wurden einige ältere, gestandene Spieler mit Erstliga-Erfahrung gekauft“, erzählt Pluntke, der daraufhin keine wirkliche Perspektive und realistische Chance für sich sah, auf regelmäßige Einsätze zu kommen.

„Es war der richtige Schritt nach Amerika zu gehen, um mich dort weiter zu entwickeln. Ich spiele hier für die Orange Country Blues und es macht riesigen Spaß“, sagt Pluntke, der schnell in den USA erkennen musste, dass sich „Soccer“, wie der Fußball hier genannt wird, in der Spielweise erheblich vom deutschen Fußball unterscheidet. „In Amerika bevorzugt man das schnelle vertikale Spiel mit weiten Bällen nach vorne, eine hohe Athletik, sofortiges Pressing. Der schnellstmögliche Torabschluss ist das Ziel einer jeden Aktion“, sagt Pluntke, der aber die Qualität des deutschen Fußballs weitaus höher einschätzt, als die der USA. „Auch die fußballerische Ausbildung in den USA ist mit der in Deutschland nicht vergleichbar“, sagt der „Auswanderer“, der sich aber im „Soccer-Land“ Amerika schon bestens eingelebt und hier schon viele Freunde gefunden hat. Den Kontakt zur Heimat aber lässt er natürlich keinesfalls abbrechen. So freut er sich stets, wenn seine Eltern ihn in seiner Wahlheimat Orange Country (Kalifornien) besuchen, was nicht selten geschieht.

Eine Rückkehr zum deutschen Fußball kann sich der 22-Jährige gut vorstellen. „Er wäre schon super, irgendwann in der Dritten Liga zu landen.“ Vorerst aber kickt Maurice Pluntke leidenschaftlich und mit hervorragenden Leistungen in der USL, der dritten amerikanischen Liga.

(Report Anzeigenblatt)